Einig gegen die CDU – aber um welchen Preis?

Drei Tage lang hat die SPD-Führung in Bonn beraten. Das eine Ergebnis dieser Beratungen war Ollenhauers Verzicht auf die SPD-Kanzlerkandidatur für 1961. Das andere Ergebnis: Karl Mommers Flucht in die Öffentlichkeit wurde mißbilligt. Der temperamentvolle Fraktionsgeschäftsführer hatte als eifriger Warner vor einer kommunistischen Infiltration Journalisten gegenüber die Ansicht vertreten, die SPD müsse den Kampf gegen den Kommunismus wieder mit gleicher Schärfe führen wie damals, als noch Kurt Schumacher Vorsitzender der Partei war.

Der Parteivorstand hat in einer Erklärung Mommers Sorgen bagatellisiert. Die Vehemenz aber, mit der die Auseinandersetzung in Bonn geführt wurde, beweist doch daß Mommer einen empfindlichen, Punkt getroffen hat Sein Verdienst bleibt, daß er die Diskussion über das Verhältnis zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten in Gang gebracht hat.

Diese Diskussion datiert nicht erst von heute. Sie geht im Grunde bis auf die historische Auseinandersetzung zwischen Marx und Lassalle zurück. Auch der Marx-Schüler Lassalle predigte ja die Befreiung der Arbeiterklasse, aber eines unterschied ihn von seinem Lehrmeister: Für ihn. war der Staat nicht wie für Marx ein Instrument der Klassenherrschaft. Er wollte ihn nicht durch eine Revolution zerstören, sondern mit dem Stimmzettel erobern.

Revolutionäre – in der Theorie

Lange Zeit waren die Sozialdemokraten in der Theorie Revolutionäre, in der Praxis aber staatsbewußte, ehrenwerte Männer. Ja, im November 1918 verteidigten die Sozialdemokraten den Staat gegen eine kommunistische Revolution.

Für das Scheitern der Weimarer Republik hat Otto Braun, der preußische Sozialdemokrat, zwei Gründe genannt: Versailles und Moskau. Versailles – das hieß: die Republik war aus der Niederlage entstanden, Moskau – das bedeutete den Kampf der Kommunisten gegen jeden demokratischen und sozialen Fortschritt, weil er nach Marx und Lenin die kommunistische Revolution verzögerte.