Ist denn keinem der Beteiligten vom Autor bis zum Produktionsleiter Koschmieder einmal der Gedanke gekommen, daß hier geschah, was in der Story als "schamlos" abgelehnt wird? Das war doch ein Film, und er gab sich als Fernsehfilm "dokumentarisch": So ist das Leben alter Mimen. – Mag sein. So etwas kann man als Roman erzählen. Dort schafft die "Rolle" des Autors Distanz. Breiter Raum steht der Wortschilderung für "poetische Gerechtigkeit" offen. Außerdem ist die Vorstellungskraft keines Lesers so penetrant genau, wie ein überaus konzentriertes Spiel vor der Kamera. Was schwebte dem Fernsehen wohl als Ziel seiner Studie vor? Vielleicht Mitleid für vergessene Gesichter? Das wäre noch die edelste Regung. Nicht von der Hand zu weisen war als Publikumswirkung aber auch spießbürgerliche Schadenfreude: Das haben sie im Alter davon – die Künstlersterne, die während ihrer Vollkraft die Bürgerlichkeit überstrahlen und, wenn sie erloschen sind, ausgebrannter wirken, als ein pensonsberechtigter Erfolgsbürger. Die vielschichtige Struktur des Schauspielers, die damit verbundene menschliche Problematik und seine gleichwohl unverzichtbare Funktion in der Gesellschaft sollten den Komödianten vor dem simplen Zugriff einer in sich zwiespältigen Fernsehstudie schützen.

Johannes Jacobi