Die Beziehungen zwischen den Schauspielbühnen und dem Fernsehen sind in Deutschland problematisch. Um eine wilde Konkurrenz im Kampf um den Schauspieler, den beide benötigen, möglichst zu vermeiden, hat der Deutsche Bühnenverein auf seiner Jahreshauptversammlung Ende Juni in Karlsruhe vorgeschlagen, bei der Verpflichtung von Bühnendarstellern fürs Fernsehen sollten die Theaterintendanten eingeschaltet werden, bei denen die fraglichen Künstler engagiert sind. Daneben gibt es einen zweiten Wettstreit zwischen Theater und Fernsehen: das Rennen um neue Stücke. Vor einem Jahr sagte mir der Intendant des Hamburger Thaliatheaters, Willy Maertens, obwohl er selber sehr fernsehfreudig sei, wenn er ein neues Stück für seine Bühne annehme, dann bedinge er sich vertraglich aus, daß es erst frühestens neun Monate nach der Ur- oder deutschen Erstaufführung durch das Thaliatheater auch vom Fernsehen gezeigt werden dürfe. Sonst sagen ja die Leute: "Haben wir schon gesehen" oder: "Das kommt ja doch im Fernsehen."

Was soll man nun dazu sagen, daß derselbe Intendant Maertens als eins der zwei ersten Stücke für die kommende Spielzeit ein Lustspiel von Kurt Heynicke mit dem Titel "Steckenpferd und Staatsmann" als Uraufführung fürs Hamburger Thaliatheater angekündigt und mit der Einstudierung schon begonnen hat, daß dasselbe Stück am letzten Sonntag aber als Frankfurter Beitrag bereits im Deutschen Fernsehen unter dem Titel "Der große und der kleine Marin" gezeigt worden ist. Das Manuskript wird für beide Interessenten durch denselben Verlag vertrieben. Für einen Bühnenverlag hat also die Bühne bereits kein Vorrecht mehr gegenüber dem Fernsehen? – Armes Theater!

Die Intendanten sollten sich, wie zu jener Entschließung über Schauspieler, zusammentun und das neueste Stück von Heynicke vorläufig überhaupt nicht spielen. Es käme auch nach Jahren noch früh genug zu spät. Denn seitdem Kurt Heynicke, der in den zwanziger Jahren zu dichterischen Hoffnungen berechtigte, einer der Preisträger in jenem Lustspielwettbewerb des Berliner Staatstheaters war, den Gründgens – Ende der dreißiger Jahre war es wohl – ausgeschrieben hatte, hat Heinicke nichts vergessen und nichts hinzugelernt. Sein jüngstes Spielchen ist – obwohl "neu" – genauso antiquiert, wie sich bei einer Wiederaufnahme ein andres Opus aus jenem Autorenwettbewerb heute erwies: "Versprich mir nichts" von Charlotte Rißmann.

"Der große Mann" ist ein französischer Staatssekretär, der sich durch einen "kleinen Mann", einen Kanzleisekretär, der dem Staatssekretär aufs Haar gleicht, bei zwei öffentlichen Reden vertreten läßt. Inzwischen geht der Staatssekretär heimlich seinem "Steckenpferd", der Höhlenforschung, nach. Durch eine ebenso lustige wie unwahrscheinliche Panne macht der kleine Mann, als er plötzlich zum freien Reden ansetzen muß, Propaganda für die Opposition der Regierung. Dadurch gerät der zurückhaltende große Mann wider Willen in die Parteipolitik und wird Minister. Die Schwankatmosphäre ist mit einigen Dialogpointen gespickt, über die man lachen kann. Im übrigen wirkt alles so unwahrscheinlich, wie es unmöglich ist. Eine bündige Soße aus verhaltener Büroliebe, der etwas Paprika zugesetzt wird, soll denen, die daran Geschmack finden, diese Pseudopolitik aus der Froschperspektive erträglich machen.

Die Fernsehinszenierung von Konrad Wagner war (teils mit Hilfe der Musik von Kurt Heuser) mehr um ironische Distanz als um eine sentimentale Legierung bemüht. Das war Wacker; doch nicht ganz "gekonnt". Eine ansprechende schauspielerische Leistung bot in der Doppelrolle des großen und des kleinen Mannes Karl Maria Schley. Tilly Lauenstein als Chefsekretärin fiel ebenso auf wie durch Dezenz als Gattin des Kleinen Helga Mietzner. Jac