Rom, Anfang Juli

Die Behandlung des nach dem Krieg von den Alliierten beschlagnahmten deutschen Eigentums in Italien ist in ihre letzte Phase eingetreten und beginnt gegenüber der Frage einer neuen Investition deutschen Kapitals südlich der Alpen an Gewicht zu verlieren. – In Italien ist verhältnismäßig mehr deutsches Vorkriegsvermögen freigegeben worden als in irgendeinem anderen Lande der Welt, die Schweiz ausgenommen.

Dank eines jahrelangen zähen Ringens, hat die Rückgabe öffentlichen und privaten Eigentums nach offizieller Schätzung einen Gesamtwert von über 14 Mrd. Lire (ca. 100 Millionen DM) erreicht. Der wirkliche Wert des freigegebenen Vermögens beträgt mindestens das Dreifache. Für weitere 7 Mrd. Lire wurden die alliierten Liquidationsbestimmungen als nicht anwendbar erklärt. Liquidiert – also vom Staat an italienische Interessenten verkauft – wurden Objekte im Werte von etwa 7 Mrd. Lire. Der Erlös ist zum Teil zur Entschädigung deutscher Eigentümer und für die Unterhaltung deutscher Kulturinstitute in der ersten Nachkriegszeit verwendet worden.

Unentschieden ist noch das Schicksal des – als Sonderfall behandelten – ehemaligen deutschen Krankenhauses in San Remo an der ligurischen Riviera und des deutschen Alteigentums in Triest, das erst Ende 1954 unter italienische Verwaltung kam. Von diesem Restposten steht der größere Teil, vor allem privater Hausbesitz, vor der Freigabe.

Eine Zeitlang hatten die Italiener nach der 1957 erfolgten Auflösung der Alliierten Kommission, die über das deutsche Vorkriegsvermögen zu befinden hatte, eine Faustpfandpolitik betrieben. Sie stellten Gegenforderungen an Deutschland in Höhe von nicht weniger als 800 Mrd. Lire auf, die sich angeblich aus italienischen Leistungen während der letzten Kriegsmonate und in der ersten Nachkriegszeit ergeben haben. Von diesen zu einem erheblichen Teil nicht gerechtfertigten Forderungen erkannte das Bundeswirtschaftsministerium Ende 1957 nur etwa ein Hundertstel an.

Die Verzögerung der Befriedigung dieses Teilanspruchs hatte die italienische Regierung mit gewissen Blockierungsmaßnahmen beantwortet, die von deutscher Seite als Nadelstichtaktik empfunden wurden. So wurde die Freigabe des als Schulgebäude und Kulturzentrum dienenden Deutschen Hauses in Triest unter Vorbehalt vorgenommen. Ferner wurde von den Finanzbehörden in Triest die Öffnung deutscher Banksafes verfügt. Diese Maßnahme, die besonders wenig zu den italienischen Freundschaftsbeteuerungen paßte, wurde freilich bald auf Anordnung des römischen Schatzministeriums eingestellt.

Auch die Behinderung und Verzögerung der Überweisung der Lizenzgebühren für deutsche Altwarenzeichen, die man in Italien während der ersten Nachkriegsjahre einfach gratis benutzen zu können glaubte, war auf diese seltsame italienische Verhandlungstaktik zurückzuführen. Gegenwärtig werden monatlich über 800 Millionen Lire für Lizenzgebühren nach Deutschland transferiert. Dennoch haben deutsche Unternehmen hin und wieder Klagen zu erheben. Meistens sind weniger Firmen von internationaler Bedeutung wie Siemens, AEG, Telefunken und Farben-Bayer als mittlere und kleinere Unternehmen die Leidtragenden.