Die Chemische Werke Hüls AG, Marl/Kreis Recklinghausen – erfreut sich eines dauerhaften Glücks aus der Retorte. Das Unternehmen hat sich im vergangenen Jahre wieder ein ansehnliches Stück aus dem Kuchen der chemischen Industrie sichern können. Während die Zuwachsrate der ganzen Branche in 1958 nur noch 5,3 v. H. erreichte, hat Chemische Hüls den Umsatz um 10,6 v.H. auf 587,4 (523,1) Mill. DM ausweiten können. Der Exportanteil hielt sich mit 34,2 (35) v.H. im Rahmen des Vorjahres. Wie andere Unternehmen der chemischen Industrie konstatiert indessen auch Hüls, daß der Wettbewerb in nahezu allen Sparten des Produktionsprogramms sich zunehmend verschärft. Der Preisdruck sowohl im Inland als auch auf ausländischen Märkten hat im Berichtsjahre Konzessionen erfordert, so daß die mengenmäßige Umsatzsteigerung mit 13,5 v. H. über den Wertzuwachs hinausging. Für die Zukunft rechnet das Unternehmen mit einer zusätzlichen Verschärfung des Wettbewerbs im EWG-Raum, da sich außereuropäische Firmen durch die Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft veranlaßt sehen, Gründungen von Niederlassungen und Produktionsstätten oder die Erweiterung vorhandener Produktionskapazitäten Verstärkt vorzunehmen. Da immerhin 60 v.H. des Hüls-Exportes in den Ländern des Gemeinsamen Marktes verbleibt, wird diese Entwicklung nicht übertrieben freudig begrüßt.

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres – in dem die Hüls-Chemie ihren Umsatz wiederum um knapp 5 v.H. gegenüber 1958 steigern konnte – ist vor allem auf dem Kunststoffgebiet in der Bundesrepublik das ausländische Angebot angewachsen. Die – billigeren – Kunststoffimporte, vorwiegend aus USA, Italien und Japan, sind im Vergleich zum Vorjahre um 28 v.H. erhöht worden.

Den Hauptanteil am Geschäft der Chemischen Werke Hüls stellten auch 1958 wieder die Kunststoffe, Kunststoffhilfsprodukte und Weichmacher.

Der Verkaufsumsatz gerade dieser Gruppe ist weiter gewachsen. Im Berichtsjahre stieg der Anteil der neuen Produkte auf 80 v.H. des Umsatzes. Die Produkte, die bei Kriegsende noch 100 v.H. des Umsatzes ausmachten, sind heute nur noch mit 20 v.H. beteiligt. Wie der Vorstandsvorsitzer des Unternehmens, Prof. Dr. Dr. h. c. Paul Baumann, bekanntgab, hat Hüls im vergangenen Jahre 25 Mill. DM für Forschung aufgewandt.

Die reinen Investitionsaufwendungen gingen im Berichtsjahr mit rund 86,5 (65,1) Mill. DM über das Vorjahrsniveau hinaus. Von den Investitionen entfallen rund 65,2 v. H. auf die Erweiterung und Verbesserung bestehender Fibrikationsanlagen sowie auf Neuanlagen. Auch hierbei rangiert die Kunststofferzeugung an erster Stelle. Im Rohstoffeinsatz basiert die Hüls-Chemie nur noch zu 40 v. H. auf der Kohle, während petrochemische Ausgangsprodukte bereits 60 v.H. bestreiten. Dabei hege das Unternehmen – wie Prof. Baumann in der Pressekonferenz erklärte – durchaus verwandtschaftliche Gefühle für die Mütter – die Hälfte des Kapitals der Chemische Werke Hüls AG liegt in Händen von Unternehmen des Ruhrbergbaues – aber der Trend zur Petrochemie sei nicht zu übersehen.

Die Aktionäre der Chemische Werke Hüls AG erhalten eine Dividende von 13 (10) v. H. auf das erhöhte Aktienkapital von 150 Mill. DM. Damit wird die Körperschaftsteuer-Ermäßigung an die Aktionäre weitergegeben. Nmn.