Die Gelsenkirchener Bergwerks AG, Essen, hat als größte deutsche Zechengesellschaft nicht nur unter der Kohlenkrise gelitten, sie hat sich auch bereits im vergangenen Jahre – und wird dies künftig noch in steigendem Maße tun – bemüht, eine Anpassung an die veränderte Marktsituation zu erreichen. Der Anteil der Steinkohle am Energiehaushalt wird weiter zurückgehen; darauf muß sich der Bergbau einstellen und seine eventuell harten Entschlüsse fassen, sagte der Vorstandsvorsitzer, Bergassessor Hans Dütting, zum Jahresabschluß 1958. Stärker als die übrigen Zechengesellschaften des Ruhrgebietes haben sich die Bergbau-Töchter der GBAG im vergangenen Jahre der ungünstigen Marktlage für feste Brennstoffe angepaßt. Während die Ruhrförderung insgesamt nur um 0,7 v. H. unter der Vorjahrszahl blieb, haben die Gelsenberg-Zechen ihre Förderung um 4,5 v. H. auf 18,67 Mill. t eingeschränkt. Die Anpassung wurde erreicht mit Hilfe von Feierschichten, Stillegungen schlechter Flözbetriebe oder Teilen von Grubenfeldern und durch eine Verringerung der Belegschaft. Seit Ende 1957 bis jetzt wurden die Zechenbelegschaften des Unternehmens um 11,9 v. H. abgebaut. Im Bochumer Raum, der als schwächstes Glied des Konzerns eines Tages für die besagten "harten Entschlüsse" in Frage kommen wird, verringerte sich der Belegschaftsstand allein um 18,2 v. H. Die GBAG gibt heute ihren abbauwürdigen Kohlenvorrat – bisher 1 Mrd. t. – nur noch mit 800 Mill. t. an. Auch hierbei haben die Konsequenzen aus der Beurteilung der Marktentwicklung den Rechenstift gespitzt. Substanzverzicht wird nicht mehr als Sünde empfunden, wenn dafür eine höhere Rentabilität einzutauschen ist. Daß die GBAG nunmehr auch nicht mit dem Bau der Großschachtanlage auf; dem Nordlicht-Feld beginnen wird, ist fast schon selbstverständlich.

Ganz im Gegenteil werden die Möglichkeiten der negativen Rationalisierung weiterhin aktiviert. Dabei hat das Unternehmen, das nach wie vor unter dem Kostendurchschnitt des Ruhrbergbaues fördert, trotz erheblicher Rationalisierungsfortschritte noch ausreichenden Spielraum, vor allem bei den Bochumer Zechen. Für die vorhandene Kostenstreuung innerhalb des GBAG-Bereiches ist die Untertageschichtleistung, die Unterschiede von bis zu 700 kg aufweist, ein Indiz. Insgesamt hat die Untertageleistung der GBAG-Betriebe im Juni d. J. mit 1,99 t erstmals die Vorkriegsleistung überschritten. Während auf der Kohleseite der planvolle Rückzug im Gange ist, bei dem die GBAG in der Tat mit gutem Beispiel vorangeht, nimmt das Unternehmen gleichzeitig als größte westdeutsche Raffinerie an der Expansion der Mineralölwirtschaft teil. Im Berichtsjahre hat die 100 v. H.-Tochter Gelsenberg Benzin AG ihren Rohöldurchsatz auf 2,62 (2,04) Mill. t. um 28 H. gesteigert und daraus 1,7 (1,5) Mill. t Treibstoffe und 787 000 (477 000) t Heizöl hergestellt. Dementsprechend hat sich der Anteil der Mineralölerzeugnisse am Energiefremdumsatz der GBAG auf 21,2 (15) v.H. erhöht, während die festen Brennstoffe von 78 auf 72 v. H. zurückgefallen sind. Allerdings war auch der Mineralöl-Boom für die von der Kohlenkrise beeinträchtigte Ertragsrechnung des Konzerns kein warmer Regen. Das Überangebot von Heizöl in Westdeutschland hat dazu geführt – so heißt es im Geschäftsbericht –, daß die Preise im Laufe des Sommers stark fielen und einen bis dahin nicht beobachteten Tiefstand erreichten. Die Bemühungen, sie zu stabilisieren, haben bis zum Ende des Berichtsjahres kaum Erfolg gehabt. Aber nach den Erklärungen des Vorstandes in der Pressekonferenz hat Gelsenberg im Heizölgeschäft eine bewußte Preisdisziplin geübt. Ob und in welcher Höhe auch hier Verluste beim Heizölabsatz – die von Bergbauseite für die Esso AG mit 20–25 DM/t errechnet worden waren – in Kauf genommen werden mußten, blieb ungeklärt.

Ihren Umsatz – der für die GBAG-Gruppe wie in früheren Jahren nur gesondert ausgewiesen wird – konnte die Gelsenberg Benzin AG auf 618 (580) Mill. t erhöhen. Dagegen sind sowohl die Kohletöchter mit 1,08 (117) Mrd. DM als auch die Handelsgesellschaften mit 821 (939) Mill. DM erheblich schlechter weggekommen. Kennzeichnender aber für die paradoxe Entwicklung dieses Unternehmens, das sich auf zwei miteinander konkurrierenden Märkten bewegt, ist die wiederum veröffentlichte Aufteilung des Jahresergebnisses. An dem Ergebnis von Ertragssteuern, das sich auf 37 (74,1) Mill. DM ermäßigt hat, ist der Bergbau unverändert mit 74 (74) v. H., Gelsenberg Benzin nur noch mit 17 (21) v. H. und der Handel mit 9 (5) v. H. beteiligt. Allerdings muß bei dem stark verringerten Anteil der Mineralöltochter auch berücksichtigt werden, daß neben den erwähnten Erlösrückgangen erstmalig Aufschlußkosten für die Erdölbohrungen in Libyen ins Gewicht gefallen sind.

Die Beibehaltung der achtprozentigen Dividende auf das Kapital von 485 Mill. DM fällt in diesen Jahre nicht leicht. Um das für die Dividende erforderliche Bilanzergebnis von 38,8 (38,8) Mill. DM zu erzielen, mußten – nach erheblichen verringerten Aufwendungen für Ertragssteuern in Höhe von 13,2 (46) Mill. DM – diesmal 15 (10,7) Mill. DM aus den anderen Rücklagen genommen werden, um "die ergebnisschmälernden Wirkungen der aus steuerlichen Gründen getroffenen Maßnahmen" wieder aufzuheben. Um auch für die Zukunft durch einen Rückgriff auf die Rücklagen eine Dividende in Höhe des tatsächlich erwirtschafteten Ergebnisses ausschütten zu können – bei gleichzeitiger Ausnutzung der steuerlicher Möglichkeiten versteht sich –, haben die Bergbautöchter im Berichtsjahre ihre Rücklagen vor insgesamt 26 Mill. DM auf die Holding übertragen.

Für das laufende Jahr sind die Dividendenaussichten für die GBAG-Aktionäre nicht schlecht, obwohl die Verwaltung verständlicherweise zurückhaltend mit irgendwelchen Prognosen ist. Zwar wird sich die Kohlenabsatzkrise erst im nächsten Abschluß voll auswirken, da die GBAG-Zechen Zum jeweiligen Ende des Kohlenwirtschaftsjahres bilanzieren und es somit in dem jetzt veröffentlichten Geschäftsabschluß immerhin noch nahezu besser denn je ging. Aber mit der jetzt auch im GBAG-Bereich anstehenden Umwandlung der Bergbautöchter in Betriebsführungsgesellschaften werden die Geschäftsjahre angeglichen. In den nächsten Abschluß des Konzerns – die Umwandlung, die allein aus steuerlichen Gründen vorgenommen wird, soll am 1. Januar 1960 beendet sein – gehen dann einmalig die Zechenergebnisse von 21 Monaten ein. Das dürfte sich auf die Dividende für 1959 mindestens nicht nachteilig auswirken.

Im Zuge der Umwandlung, die in diesem Falle auch die Zustimmung von Heinrich Gutermuth als stellv. AR-Vorsitzer des Unternehmens findet, wird als einzige nicht 100 v. H.-Tochter die Erin Bergbau AG einbezogen. Die freien Aktionäre, die über 13 v.H. des Erin-Kapitals verfügen, werden in Kürze ein Abfindungsangebot in bar erhalten. Eine Gutachter-Kommission ermittelt gegenwärtig den Kurs. Nmn.