Die Sommerferien sind "entzerrt"

Sichtlich zufrieden, die Aufgabe gelöst zu haben, obwohl ungewiß, ob es auch die Eltern sein werden, haben die Kultusminister der Länder in Düsseldorf nun beschlossen, die Schulferien zu "entzerren", genauer: die Sommerferien, die den Schülern in den elf Bundesländern bis jetzt fast zur gleichen Zeit gewährt werden, auf drei Monate – von Mitte Juni bis Mitte September – zu verteilen. In der geschickt ausgeklügelten Ferienordnung, die 1960 zum erstenmal angewendet werden soll, sind die Länder, die jeweils gleichzeitig Sommerferien geben, in Gruppen zusammengefaßt. In Niedersachsen, Bremen und Schleswig-Holstein werden die Schüler zuerst in die Ferien geschickt, und zwar am 30. Juni. In Hamburg und in Hessen beginnen die Ferien am 7. Juli, in Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz und im Saarland am 14. Juli, in Nordrhein-Westfalen am 21. Juli. Für die Kinder in Baden-Württemberg ist im kommenden Jahr erst der 28. Juli der erste Ferientag. Allgemein dauern die Ferien sechs, in Bayern sieben Wochen. Künftig bleiben also nur vierzehn Tage, an denen alle Schüler in der Bundesrepublik gemeinsam Ferien haben. Jugendliche aus Nord und Süd, die sich in den Ferien treffen wollen, werden es also nur in diesen 14 Tagen tun können.

Wie die Eltern darauf reagieren werden, ist sehr ungewiß.

Es wird nicht wenig Eltern geben, die diese Ferienordnung kritisieren werden, einmal, weil sie glauben, ihre Kinder würden vielleicht im Juni und im September vom Wetter benachteiligt, zum anderen, weil es ihre eigenen Reisepläne in Zeiten drängt, die sie vielleicht nicht wünschen. Vor allem wird es die treffen, die ihre Reiseziele nicht beliebig auswählen und in Sonnenländern suchen können. Beifall hingegen werden-die Kultusminister nun wohl endlich von denen erhalten, die ihnen bisher hart zugesetzt hatten: von allen dem Fremdenverkehr verpflichteten Institutionen und Verbänden, die – nicht ohne Grund – Vor- und Nachsaison preisen. Die neue Ferienordnung für die Schüler kommt ihnen dabei schon weit entgegen, und das bedeutet die Verpflichtung, dem Gast auch in diesen Zeiten Gastlichkeit widerfahren zu lassen.

"Herr Schlaumeier", jener Reklamegast, den Fremdenverkehrsexperten erfunden haben, damit er ihren Einfällen hundertprozentig zustimmt, sollte, um seinem Namen Ehre zu machen, verlangen, daß die Leistungen in der Vor- und Nachsaison mit seinen Erwartungen im Einklang stehen. Diese Erwartungen nun werden durch Prospekte geweckt, die auf die Hauptsaison zugeschnitten sind.

In den Pensionen und Cafés kommt er sich vielleicht bei aufmerksamer Bedienung in der Vor- und Nachsaison wie ein König vor; außerhalb des Hauses aber ist er nicht selten ein Zaungast, der – in der Vorsaison – zusehen muß, wie die Einrichtungen, die der Erholung, dem Vergnügen und der Bequemlichkeit der Gäste dienen, für diejenigen vorbereitet werden, die nach ihm kommen, und erst dann in vollem Umfang zugänglich sind, wenn der Massenbetrieb, den man eigentlich vermeiden will, eingesetzt hat.

Daß man in unseren Breiten die Freibäder nicht schon im April öffnen kann, ist klar. Nicht einzusehen ist jedoch, weshalb eine Minigolfanlage erst im Juni instand gesetzt werden kann; Gemeinden, die Gäste für die Zwischensaison anlocken wollen, sollten laut bekanntgeben, wann sie ihre Hauptstraße mit Preßlufthämmern und Walzen erneuern und wann sie den Sessellift überholen werden. Wer an den Haltestellen warten muß, bis sich mindestens ein halbes Dutzend Fahrgäste angesammelt hat, und dauere es Stunden, der versteht wohl die Rentabilitätserwägungen; zu den leuchtenden Farben, in denen man das Bild nur mäßig besetzter Ferienorte malt, paßt solche Zurückhaltung jedoch nicht. Wenn man die Früchte der Vor- und Nachsaison ernten will, darf man Investitionen nicht scheuen. Man muß auch zu zunächst unrentablen Vorleistungen bereit sein, wenn hinter der Werbung ein solides Angebot stehen soll, und die Leistungen der Hauptsaison – sei es nun das Kurkonzert oder die Ausstellungen – auch auf die Vor- und Nachsaison ausdehnen. W. S.

Herrenalb: Eine Atemschulung wurde für die Gäste des heilklimatischen Kurorts im Schwarzwald eingerichtet, um alle Möglichkeiten der Gesundung bei den Terrainkuren zu erschöpfen. Außer dem Heilklima bietet Herrenalb; nun auch ein neueingerichtetes Kur- und Kneippbad für die gesamte physikalische Therapie.