Die Volkswagenwerk GmbH, Wolfsburg, hat jetzt ihren Abschluß für 1958 vorgelegt. Er zeigt, daß das Wachstum des Werkes noch keineswegs zum Stillstand gekommen ist und daß die Unternehmensleitung alles unternimmt, um die führende Stellung der Gesellschaft im Rahmen des Gemeinsamen Marktes verteidigen zu können. Lieferfristen von gegenwärtig 12 Monaten geben dem Volkswagenwerk zwar heute noch das Gefühl der Sicherheit, aber gewiß ist, daß die internationale Konkurrenz auch auf dem deutschen Markt wächst und daß es jetzt an der Zeit ist, Vorkehrungen für eine möglichst günstige Ausgangsstellung in dem zu erwartenden harten Wettbewerb zu schaffen. In Wolfsburg will man in dieser Beziehung offenbar "aufs Ganze gehen". In diesem Jahr sollen nicht weniger als 500 Millionen DM investiert werden (1958 waren es "nur" 267 Mill.) Nur mit Hilfe einer weiteren Kapazitätserhöhung, so meinte Prof. Heinrich Nordhoff, lassen sich die Lieferfristen drücken.

1958 betrug die arbeitstägliche Produktion 2400 Fahrzeuge; sie ist inzwischen auf 2800 gestiegen und soll bis zum Jahresende auf 3000 Einheiten gebracht werden. Für die Investitionen stehen der Gesellschaft mittelfristige Bankkredite zu einem Zinssatz von 6 v. H. zur Verfügung. Auf die Aufnahme einer Anleihe ist verzichtet worden, als sich herausstellte, daß man in Bonn über diese Finanzierungsart anders dachte als in Wolfsburg. In diese Meinungsverschiedenheiten’ spielten bereits die Auseinandersetzungen über die Privatisierung des Volkswagenwerkes hinein, die jetzt einem gewissen Höhepunkt entgegenzugehen scheinen. Dieses Hin und Her ist für die Unternehmensleitung kein angenehmer Zustand.

Im Hinblick auf die Privatisierung sind die nunmehr vorgenommenen Kapitalveränderungen bei dem VW-Werk bedeutungsvoll. Mit dem bisher 60 Mill. DM betragenden Grundkapital war das Unternehmen restlos unterkapitalisiert. Solange die Eigentumsfrage in der Schwebe ist, hatte das kaum Bedeutung, denn – abgesehen von relativ geringen Ausschüttungen – gingen die Gewinne in die Rücklagen, so daß sich auf diese Weise ein beträchtliches Eigenkapital-Polster ansammelte. Ende 1957 hatten die Rücklagen allein knapp 300 Mill. DM erreicht. Wenn nun das VW-Werk in irgendeiner Form einen "Eigentümer" erhalten sollte, muß eine Angleichung des Grundkapitals an die tatsächlichen Gegebenheiten erfolgen. Dafür ist der erste Schritt nunmehr gemacht. Er hat seinen Niederschlag bereits in dem ausgewiesenen Gewinn gefunden. Für 1958 wird nämlich ein Gewinn von 323,6 (11,6) Mill. ausgewiesen. Ausgeschüttet werden sollen davon 320 Mill. DM, wobei sich die Gesellschaftsorgane bereit erklärt haben, den Betrag nach Abzug der Kapitalertragsteuer (80 Mill.) zur Aufstockung des Grundkapitals auf 300 Mill. zu verwenden. Bei dem Gewinnausweis ist aber zu berücksichtigen, daß rund 100 Mill. aus Rücklagen und Rückstellungen stammen; außerdem unterblieb die im Vorjahre vorgenommene Rücklagenzuweisung. Mit der Kapitalaufstockung hat die "Kapitalberichtigung" sicherlich noch nicht ihre letzte Form gefunden. Wenn es tatsächlich zur Privatisierung kommt, würde das Aktienkapital vermutlich auf 500 Mill. gebracht werden müssen. An "echten" Erträgen läßt das Unternehmen also rund 123 Mill. erkennen – bei einem Umsatz von 2,42 (2,04) Mrd. DM. Der Umsatz wird im laufenden Geschäftsjahr noch weiter steigen.

Im Berichtsjahr wurden 451 526 (380 561) Pkw hergestellt und 101 873 (91 993) Transporter. Bei Personenwagen ist der Anteil des Standard-Modells weiter auf 6,9 (8,9) v. H. zurückgegangen. Für das Geschäftsjahr 1959 ist die Fertigung von 550 000 Pkw und 115 000 Transportern vorgesehen. Nach sorgfältiger Überlegung hat man sich zu einer erheblichen Ausweitung der Produktion von Transportern entschlossen, da die Nachfrage aus dem Ausland, besonders aus den USA, ständig zunimmt.

Der Exportanteil hielt sich mit 57,3 v. H. ungefähr auf Vorjahrshöhe. Exportiert wurden 248 776 (210 544) Pkw und 66 941 (60 443) Transporter. Auf Europa entfallen davon 42 und auf Amerika 40,2 Prozent. -hl/-ndt