Dd, Frankfurt

Daß unter den Menschen, die ihren Urlaub auf Zeltplätzen verbringen, ein starkes Bedürfnis nach individueller Seelsorge, aber auch nach Gottesdienst und zuweilen nach religiösen Diskussionen besteht – das entdeckten die beiden Frankfurter Pfarrer Karl Zeiss und Erich Warmers, die von der evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen und von ihrem Propst auf "Camping-Mission" nach Italien geschickt wurden.

Die beiden waren überrascht von der freudigen Unterstützung, die sie von den Campingplatz-Pächtern im katholischen Italien erhielten: Man bat sie geradezu, in Riccione und bei Venedig ständig für evangelische Andachten zu sorgen. Das freilich konnten sie nicht zusagen. Sie nahmen auch, um sich nicht aufzudrängen, das Angebot nicht an, innerhalb des Zeltplatzes zu predigen, sondern kündigten über die Lautsprecheranlage lediglich den Platz für die Morgenandacht an: Links neben dem Ausgang in den Dänen. Dort aber sahen sie sich dann bei jedem Wetter ansehnlichen Scharen von Zeltnachbarn gegenüber.

Die Frankfurter Pfarrer hatten ihre Talare daheim gelassen und hielten in Cordhose und Regenmantel liturgisch freie Gottesdienste ab. "Der Hunger nach Seelsorge ist groß", berichteten die beiden Pfarrer nach ihrer Rückkehr. "Die meisten Menschen werden – nicht nur bei Regen – von der Langeweile geplagt, die sie zur Frage nach dem Sinn des Lebens führt."

Sie berichteten jedoch auch über ganz andere Diskussionen. Über die mit jenem Deutschen etwa, der den italienischen Zeltplatzpächter über den "Unsinn" des Katholizismus belehren wollte und der auf die Frage, woran er denn glaube, an die eben gekaufte Chiantiflasche klopfte und erklärte: "Als Protestant glaube ich an meine Flasche!"

Das Gespräch bestärkte die beiden Pfarrer, auch andere Amtsbrüder auf dieses neue Gebiet der Mission hinzuweisen. Nicht nur, damit auf den größeren und zentral gelegenen Campingplätzen eine wichtige Arbeit geleistet wird, sondern auch, damit die Pfarrer mit Meinungen und Erscheinungen unserer Zeit konfrontiert werden, die nicht einmal auf Großstadstraßen so deutlich sichtbar sind wie auf den Zeltplätzen.