Die Ilseder Hätte in Peine und ihre Töchtergesellschaften haben 1958 mit 101 (59,6) rd. 90 v. H. des alten Grundkapitals von 112 investiert, das inzwischen auf 140,4 Mill. DM erhöht wurde. Die neue Universalstraße im Peiner Walzwerk, die einen Aufwand von 50 Mill. DM erforderte, wurde termingerecht fertiggestellt. Hier sollen neben Breitflanschträgern die neuen Europa-Träger, die sog. IPE-Profile, in elf verschiedenen Abmessungen gewalzt werden; ein Artikel, der jetzt auch nach den USA verkauft werden kann. Das neue Rotor-Versuchsstahlwerk, das 14 Mill. DM erforderte, wurde im April 1959 in Betrieb genommen. Mit Hilfe dieses neuen Stahlherstellungsverfahrens hofft man, aus dem phosphorhaltigen Roheisen einen Stahl erzeugen zu können, der in seiner Qualität dem Siemens-Martin-Stahl gleichkommt und der vor allem der Forderung der Kunden nach einem ohne Einschränkung schweißbaren Baustahl gerecht wird. Der große Investitionsplan ist im wesentlichen abgeschlossen. Vorläufig liegen Planungen nur in Höhe von etwa 62 Mill. DM vor, von denen etwa 45 in diesem Geschäftsjahr zur Durchführung kommen sollen. Ein Betrag, der über Abschreibungen finanziert werden kann.

Die Investitionen in 1958 wurden zu etwa 45 v. H. durch Abschreibungen gedeckt, so daß der Buchwert des Anlagevermögens auf 472 (420) Mill. DM gestiegen ist, der aber durch 323 (301) Mill. Eigenkapital und 158 Mill. langfristige Fremdmittel einschl. 75 Rückstellungen voll gedeckt wird. Die finanzielle Anspannung nach den hohen Investitionen und das Anwachsen der Vorratsbestände um 11 auf 94,7 führte zu einer Erhöhung der Verbindlichkeiten auf 181,5 (123) Mill., darunter der kurzfristigen auf 99 (52) Mill. Der Ilseder Hütte als Dachgesellschaft verblieb nach Organschaftsabrechnung nur ein Gewinn von 5,99 (10,2); zur Zahlung einer wieder 9prozentigen Dividende mußte den freien Rücklagen ein Betrag von 4,8 Mill. DM entnommen werden.

Die Verschlechterung der Absatzlage hielt nach dem Geschäftsbericht während des ganzen Jahres an. Die Stahlproduktion mußte zeitweilig um 20 v. H. eingeschränkt werden. Im laufenden Jahr konnte die Produktionskürzung wieder rückgängig gemacht werden. Auch die Exportpreise sind gestiegen, haben allerdings das Inlandniveau noch nicht ganz erreicht. Der Exportanteil, der bei 17 v. H. lag, ist inzwischen auf etwa 28 v. H. gestiegen. Im Kohlenbergbau (Steinkohlenbergwerk Friedrich der Große AG, Herne i. W.) wird es allerdings noch einige Zeit dauern, bis die Schwierigkeiten der Zeche behoben und die Haldenstände abgebaut sein werden.

Die Zukunftaussichten beurteilt der Vorstand optimistisch, zumal die wirtschaftliche Entwicklung Zeichen einer konjunkturellen Belebung erkennen lasse. Man machte aber die Einschränkung, daß sich bei einer erneuten Rückläufigkeit des Welt-Stahlmarktes für die deutsche Eisenindustrie infolge der Wettbewerbsvorteile des französischen gegenüber dem deutschen Stahl bedenkliche Auswirkungen ergeben könnten. Bei den eisenverarbeitenden Betrieben sind die Auftragsbestände der Stahlbaufirmen stark zusammengeschrumpft. Für die Hüttenwerke liegt zur Zeit ein Auftragsbestand für etwa 2 1/2 Monate vor. Zur VIAG-Beteiligung, die etwas über 25 v. H. des Grundkapitals beträgt, wurde gesagt, daß die Aktionäre der Ilseder Hütte laut Vertrag ein Vorkaufsrecht für diese Aktien hätten.

Die Hauptbeteiligungen, Hüttenwerke Ilsede-Peine AG (Grundkapital 200 Mill. DM) und die Steinkohlenbergwerk Friedrich der Große AG (Grundkapital 40 Mill. DM), sind durch Umwandlungsbeschlüsse auf die Ilseder Hütte übergegangen. Die Bücher dieser Gesellschaften einschl. der Kalkwerk Marienhagen werden jedoch bis Ende 1959 getrennt geführt. Auch für 1958 wurde eine Bruttoertragsrechnung mit einem Konzernumsatz an Fremde (Bruttoertrag) von 424,5 (444,5) Mill. vorgelegt, der Konzernumsatz im ganzen betrug 586,3 (613,5) Mill. DM.

Nach der Zusammenfassung der Aufgaben der bisherigen Verwaltungsorgane der Tochtergesellschaften mit denen der Ilseder Hütte muß sich der Ausichtsrat künftig nach den Vorschriften des Mitbestimmungsgesetzes zusammensetzen. Auf der HV am 14. Juli ist deshalb eine Neuwahl des AR mit 21 (bisher 15) Mitgliedern erforderlich. hl.