G. Z., Karlsruhe

Achtzehn Monate Gefängnis wegen Mitwirkung in einer Nachfolgeorganisation der verbotenen KPD, Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung, Agententätigkeit und Geheimbündelei ...

Paul Müller, 37 Jahre alt, gelernter Bäcker und "Friedenskämpfer" – wischte den Schweiß von der Stirn, holte sich seinen Koffer, den er während der Urteilsverkündung diskret in einer Ecke des Großen Sitzungssaales im Bundesgerichtshof abgestellt hatte, und verließ mit seinem Anwalt das "Hohe Haus". Die Strafe wird er erst später absitzen. Zunächst einmal darf er wieder zu seiner Familie nach Kassel.

Paul Müller war "westdeutscher Verbindungsmann" zur Sowjetzonengewerkschaft. Er half dabei, "Instrukteure" aus Ostberlin mit Mitgliedern des Deutschen Gewerkschaftsbundes zusammenzubringen. Dafür bekam er sein Geld. "So schlimm war das doch alles gar nicht", versicherte er den Richtern, die sich drei Tage lang bemühten, die Wahrheit zu finden.

Niemand zweifelte daran, "daß es gar nicht so schlimm war". Aber man hatte Berichte beschlagnahmt, die Müller und seine Partner für die Westabteilung des "Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes" geschrieben hatten. Und die freilich klangen recht handfest. Aus einem ganz einfachen Grunde: Schließlich wollte man in der Ostberliner Einsatzzentrale für die "West-Mark-Spesen" auch etwas sehen. Da aber die Versuche, den Deutschen Gewerkschaftsbund "von unten aufzurollen", nur geringen Erfolg hatten, mußte Müller wenigstens in der Berichterstattung die Sache etwas spannender machen.

Die aufpolierten Erfolgsberichte waren Müller damals sehr recht, denn damit leuchtete auch sein eigener Stern heller, und das Honorar stieg. Doch bei der Verhandlung im Bundesgerichtshof hätte er es leichter gehabt, wenn er bei der Schilderung seiner Erfolge beim "Infiltrationseinsatz" mehr bei der Wahrheit geblieben wäre.