Frankreich will noch in diesem Jahr seine erste Atombombe erproben – um jeden Preis. In der englischen Labour Party gibt es einen radikalen Flügel, der am liebsten auch noch in diesem Jahr die britischen A- und H-Bomben samt den amerikanischen Stationierungsbomben in der Nordsee versenken würde – gleichfalls um jeden Preis.

Es sind dies grundverschiedene Bestrebungen, aber sie führen zum gleichen Ergebnis: zum Zerfall der westlichen Allianz. Wie unrecht beide haben, hat der Londoner Observer am Sonntag unübertrefflich dargetan.

"Englands Einfluß beruht nicht, wie General de Gaulle zu glauben scheint, darauf, daß es Kernwaffen besitzt", schrieb der Observer. "Es beruht vielmehr darauf, daß England eine ziemlich vernünftige Weltpolitik treibt, die Amerika zu unterstützen bereit ist. Frankreich zöge größeren Gewinn aus der Beendigung des Algerienkrieges als aus der Herstellung der Atombombe. Und Mr. Cousins irrt sich, wenn er glaubt, daß Großbritannien allein stehen oder der Westen es sich leisten könnte, auf seine Atomabschreckung zu verzichten, solange Rußland das nicht auch tut. Die englische Regierung schließlich täuscht sich, wenn sie annimmt, daß Englands separate Abschreckungsmacht der wirklichen Stärke des Westens irgend etwas hinzufügt."

Man könnte das westliche Verteidigungsproblem nicht besser umreißen. Wie auch der folgende Satz zutreffender kaum formuliert werden kann: "Das Problem kann man nicht dadurch lösen, daß man jedem einzelnen Mitglied der Allianz Kernwaffen in die Hand gibt, sondern nur dadurch, daß man das Bündnis insgesamt stärkt." Th. S.