Von Martin Beheim-Schwarzbach

Von dem Dichter Gustav Schenk sind in kurzer Folge drei Bücher herausgekommen, von denen man schlecht sagen kann, daß sie dieselbe Handschrift aufwiesen, wohl aber, daß sie ein Typikum für die Situation des poetischen Romantikers von heute darstellen. Der Mann, von dem hier die Rede ist, hat uns vor Jahr und Tag eine Reihe sehr merkwürdiger, durchweg wunderschön geschriebener, vom Geiste einer selbstverlorenen Naturtrunkenheit erfüllter Bücher geschenkt, in denen Geschichten, Erinnerungen und Betrachtungen einander ablösten: "Traum und Tat", "Frucht und Same", "Aron oder das tropische Feuer", "Straßen der Unrast", "Die Unbezähmbaren" – die alle das Unglück hatten, nicht wieder aufgelegt worden zu sein, so daß der Dichter nun mit seinem Lebenswerk "auf der Straße" saß und sitzt.

Es sind alles Dokumente einer dichterischen Haltung, die man als urdeutsch-versponnen bezeichnen möchte, obgleich scharfe Beobachtung, tiefe Kenntnis und großes Sprachvermögen darin herrschen. Aber alle diese Qualitäten führten zu keinem Erfolge, keinem Bucherfolge in auch nur bescheidenem Maße, und wo kein Bucherfolg ist, da sinkt der Dichter in Vergessenheit und muß gewaltige Anstrengungen machen, sich dennoch zur Geltung zu bringen und eine Art von Scheinexistenz zu führen.

Aus träumerischen Bestandteilen älterer Bücher und neuerer Eingebungen des Dichters hat kürzlich ein Verlag dennoch ein neues Büchlein gewagt herauszubringen:

Gustav Schenk: "Der Bettler Purwin", Träume und Erinnerungen eines Fahrenden; Claassen Verlag, Hamburg; 190 S., 11,80 DM,

welches auch nur wenige kennerische Liebhaber finden dürfte, da es alle Elemente träumerischer Versponnenheit zeigt, die heute so wenig mehr gelten – obwohl das Kapitel "In den Schächten", das von einem Krieg der Ratten in den Katakomben handelt, und noch etliches andere mehr sehr starke, würzige und sachlich hochinteressante Kost sind.

Nun hat indessen der Dichter, dem auch der Bettler Purwin schwerlich noch zu einem tönenden Ruhm verhelfen dürfte, wenn auch die Achtung seiner Freunde vor seinem starken poetischen Gemüt noch weiter gestiegen ist, zu einem modernen Allheil- und Verzweiflungsmittel gegriffen und zwei umfangreiche Auftragsarbeiten ausgeführt, die wohl noch die Aufmerksamkeit des Publikums gefangennehmen dürften, das (angeblich) so gierig nach Sachlichkeiten hungert: