J. K., Paris, im Juli

Finanzminister Pinay hat den Versuchen und eventuellen Absichten ausländischer (insbesondere schweizerischer) Investment-Trusts, ihre Anteile auch dem französischen Börsenpublikum zugänglich zu machen, einen Riegel vorgeschoben. Dieser Tage ist im "Journal Officiel" die seit einiger Zeit erwartete Verordnung über die gesetzliche Regelung der Einführung und des Verkaufs von Anteilen ausländischer Anlagefonds in Frankreich erschienen. Kurz zuammengefaßt führt die Einführung und der Verkauf von Anteilen ausländischer Investment-Fonds in Frankreich über folgenden steinigen Weg:

Der Finanzminister muß die Genehmigung zu dieser Einführung geben, was in vielen Fällen, insbesondere in nächster Zeit, einem Verbot gleichkommen wird. Liegt diese Genehmigung aber doch vor, muß der ausländische Anlagefond eine Anzeige im Bulletin des Annonces legales obligatoires mit genauen Angaben über Name, Sitz, Wesen des Fonds und der in Frankreich mit der Verteilung beauftragten Gesellschaft erscheinen lassen. Ist auch das geschehen, so kann für den Fond öffentlich, aber unter strengster Beachtung sehr scharfer Publizitätsvorschriften, geworben werden.

Es ist zu befürchten, daß Finanzminister Pinay eventuelle Antragsteller geraume Zeit warten lassen wird. Der Finanzminister ist nämlich ein grundsätzlicher Gegner dieser Art von Kapitalbildung. Er verhält sich auch gegen die Einführung von Aktien ausländischer Gesellschaften sehr zurückhaltend. So ist es um die Einführung der Aktien einiger der größten westdeutschen Firmen an der Pariser Börse wieder ziemlich still geworden.

Der 1. Juli ist vorübergegangen, ohne daß es zu der angekündigten Einführung der Aktien von Siemens, AEG, BASF, Rheinstahl und Höchst auf dem amtlichen Markt der Courtiers gekommen ist. Vor einigen Tagen ging das Gerücht um, daß sie nun in der zweiten Julihälfte erfolgen soll, aber eine offizielle Mitteilung des Pariser Börsenkomitees steht bisher aus. Man hat den Eindruck, daß die Spekulation, die an den deutschen Börsen auf die Ankündigung der bevorstehenden Einführung mit diesen Aktien getrieben wurde, der Sache sehr geschadet hat. Man hätte in Paris eine diskretere Behandlung dieser Frage gewünscht. So bleiben die westdeutschen Werte länger als vorgesehen im Wartezimmer der Pariser Börse.