Nur Literaturkennern dürfte vor seiner reizenden Popularisierung im Fernsehen (NWRV) ein dramatischer Scherz bekannt gewesen sein, den Friedrich Schiller zum 2. Juli 1787 als Geburtstagsgeschenk geschrieben hat. Der Dresdener Oberkonsistorialrat Körner, der Vater des Freiheitsdichters Theodor Körner, hatte Schiller bei sich aufgenommen, als der Mannheimer Theaterdichter seine Stellung verloren hatte. Zum Dank für eine glückliche Zeit im gastfreien Körnerschen Hause schrieb Schiller das Spiel "Ich habe mich rasieren lassen, oder: Körners Vormittag." Es zeigt den vielbeschäftigten Hausherrn vom Aufstehen morgens bis zum Mittagessen. Körner kommt zu nichts – weder zum geliebten Schreiben noch ins Konsistorium. Denn dauernd kommt etwas dazwischen in dem offenen Hause der stadtbekannten Persönlichkeit: Lieferanten, Supplikanten, Kandidaten und Forderungen der Hauswirtschaft. Schließlich resigniert der geistliche Herr in einem Fluche, der mit Sch.... beginnt.

In den bisher ziemlich trist verlaufenen Schillersendungen des Deutschen Fernsehens bedeutete "Körners Vormittag" eine fröhliche Einlage. Hannes Razum hatte mit den Darstellern des Celler Schloßtheaters ein Schattenspiel daraus gemacht, wie es den Scherenschnitten der Schillerzeit entspricht. Das war eine glänzende Idee, die über die dramatische Nichtigkeit sicher hinwegtrug. Wichtig wurde die Ausstattung von Heinz Hoffmann. Er mußte mit Razums phantasievoller Regie und mit den nur durch ihre Umrißlinien wirkenden Darstellern gleitende Flächen als Hintergrund verbinden. Denn Bewegungen in die Raumtiefe (etwa durch eine Tür nach hinten) paßten nicht zu dem nur von rechts nach links oder umgekehrt abzuspulenden Spiel. Bedeutsamer Partner der bewegten Schattenrisse war die witzige Musik von Siegfried Franz. Für nicht allzu lange Szenen hat sich der Celler Versuch als eine fernsehgerechte Darstellungsmöglichkeit erwiesen. Sie unterscheidet sich vom äußerlich ähnlichen Zeichentrickfilm durch die Synchronität der sprechenden Menschen mit ihrer agierenden Schattenfigur. J. J.