Christian Urhammer: "Romeo und Julia heute", ZEIT Nr. 24

Um es vorweg zu sagen: Ich begrüße im großen und ganzen Ihre Ansicht, die da lautet: Laßt die Romeos und Julias heiraten! Auch Ihre Meinung, man sollte mehr als den unreifen Vater das verführte Mädchen schützen und damit auch das zu erwartende Kind, verdient höchste Beachtung.

Hier allerdings liegt auch der Hase im Pfeffer, denn weder das Jugendamt noch der Vormundschaftsrichter haben die Interessen von Romeo und Julia gegeneinander abzuwägen. Sie können das Gesetz nicht außer acht lassen, und dieses lautet (Paragraph 5 BGB): "Die Volljährigkeitserklärung soll nur erfolgen, wenn sie das Beste des Minderjährigen befördert." Diese Bestimmung schützt aber nur den, für den gehandelt werden soll, und zunächst, nur unter diesem Aspekt hat das Jugendamt seine Stellungnahme abzufassen. Wird aber das Beste des Minderjährigen durch die Volljährigkeitserklärung nicht "befördert" und muß sie im Sinne des Gesetzgebers abgelehnt werden, so scheitert auch der Antrag, den Mann für ehemündig zu erklären; denn flach Paragraph 1 des Ehegesetzes kann einem Mann nur dann Befreiung von dem Alterserfordernis (21 Jahre) erteilt werden, "wenn er das 18. Lebensjahr vollendet hat und nicht mehr unter elterlicher Gewalt oder unter Vormundschaft steht".

Diese Regelung mag unbefriedigend und einseitig sein. Da aber Paragraph 5 BGB überhaupt eine Schutzbestimmung nicht nur für den Minderjährigen, sondern auch für die Minderjährige (es gibt Gründe, die eine Volljährigkeitserklärung für eine Minderjährige durchaus rechtfertigen; für eine Eheschließung ist sie nicht erforderlich) ist, sollte nicht daran gerüttelt werden. Wichtiger erscheint es mir, Paragraph 1, Absatz 2 des Ehegesetzes zu ändern und in gewissen Fällen dem Mann zu gestatten, vom 18. Lebensjahr an zu heiraten, auch wenn er noch unter elterlicher Gewalt steht, so daß es also keiner Volljährigkeitserklärung bedarf. Er bleibt also mit einigen Ausnahmen unter elterlicher Gewalt, wie das ja auch bei der minderjährigen Frau der Fall ist.

Albrecht Stöhr, Norden