Genau dies war auch der Punkt, an dem in Deutschland bei vielen die Kritik einsetzte, oder besser: dies wurde nach dem Zusammenbruch allmählich zu dem entscheidenden Punkt. Von vornherein war das nicht so. Und daran trugen die Alliierten ein gut Teil Schuld. Denn die Ankläger und Richter in Nürnberg hatten ja den aktiven Widerstand gegen Hitler zur moralischen Norm, gewissermaßen zum "Soll" erhoben und jeden verdammt, der nicht entsprechend gehandelt hatte. Sie betrachteten damals jeden, der nicht desertiert war, als einen Schuft und stempelten jeden, der dem Feind standgehalten hatte, zum moralischen Feigling. Wie unbegreiflich mußte das sein für all diejenigen, die ausgehalten hatten und meinten, nur ihre Pflicht getan zu haben.

Weinstein über die französischen Offiziere in Algier zu diesem Thema: "Nürnberg, so sagte ein Major, von den anderen unterstützt, sei ein Schlag gegen die Disziplin gewesen. Man könne Generale nicht nach einem verlorenen Krieg hinrichten." Soldaten, die Krieg führen (und die Franzosen führen seit 1940 Krieg), denken halt anders als solche, die gerade gesiegt haben.

Sieben Jahre lang: rauf, runter ...

Fünf Jahre nach Nürnberg, im September 1951, gaben die Außenminister der drei Westmächte am Schluß ihrer Konferenz in Washington ein recht gequältes Kommuniqué heraus, in dem stand: "Die Außenminister prüften die Beziehungen ihrer Länder zu der Bundesrepublik Deutschland und einigten sich über die Instruktionen, die der Alliierten Hochkommission zu erteilen sind, um mit der deutschen Bundesregierung über annehmbare gegenseitige Abkommen zu verhandeln, die eine vollständige Umwandlung des Charakters der Beziehungen zwischen den drei Nationen und der Bundesrepublik Deutschland zur Folge haben werden ... unter Berücksichtigung einer deutschen Beteiligung an der Verteidigung des Westens."

Einen so raschen Wechsel von "Verbrenne, was du angebetet, und bete an, was du verbrannt hast" gab es wohl nie zuvor.

1944: 1. Akt: Generalstabsoffiziere, Armeeführer und Offiziere aller Ränge beteiligen sich an einem Attentat auf den Regierungschef und Oberbefehlshaber.

2. Akt: Hohe Offiziere, Generale und sogar ein Feldmarschall wurden "ausgestoßen aus der Wehrmacht" und aufgehängt.