DIE ZEIT

Die Bombe und das Bündnis

Frankreich will noch in diesem Jahr seine erste Atombombe erproben – um jeden Preis. In der englischen Labour Party gibt es einen radikalen Flügel, der am liebsten auch noch in diesem Jahr die britischen A- und H-Bomben samt den amerikanischen Stationierungsbomben in der Nordsee versenken würde – gleichfalls um jeden Preis.

Heusingers Tagesbefehl

"Die Tat des 20. Juli 1944 – eine Tat gegen das Unrecht und gegen die Unfreiheit – ist ein Lichtpunkt in der dunkelsten Zeit Deutschlands .

Genf, nach der Pause

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als werde aus unerfindlichen Gründen ein längst vom Spielplan abgesetztes Stück noch einmal aufgeführt.

Stille Rebellion in der CDU

Die wichtigste Voraussetzung für die Neuorganisation der CDU-Führungsspitze ist erfüllt: Bundeskanzler Adenauer, zugleich Vorsitzender der Partei, hat sich grundsätzlich positiv zu den Plänen der Reformer geäußert.

Preußens Nachlaß

Muß das Staatsoberhaupt vor den Kadi? – so fragten wir am 26. Dezember 1957. Wir berichteten damals über die letzte Runde im "Bilderstreit" zwischen Bund und Ländern.

ZEITSPIEGEL

Beim Besuch von Kaiser Haile Selassie in Moskau scheinen Gast und Gastgeber auf ihre Kosten gekommen zu sein. Hochgeehrt und reich beschenkt ist der Herrscher von Äthiopien wieder abgereist.

Donnergrollen in Bremen

Ein sommerliches Donnergrollen durchbrach dieser Tage in Bremen jäh die parlamentarische Ferienzeit. Mit unverhohlener Freude gab der Fraktionsvorsitzende der DP in der Bremischen Bürgerschaft, Herbert Schneider, auf einer Pressekonferenz bekannt, daß die langjährigen CDU-Abgeordneten Elisabeth Loesche und Cäcilie Triebel der DP beigetreten seien.

Zusammenschluß gegen Nehru

Es gibt wenige indische Politiker, die Nehru als Gegner wirklich ernst nimmt. Ebenso klein ist der Kreis der Freunde, auf deren Rat Nehru hört.

Was soll’s?

Der außenpolitische Ausschuß beim Parteivorstand der SPD hat die Bundesregierung scharf kritisiert, weil sie der Verlegung amerikanischer Jagdbomber, die Atombomben tragen können, aus Frankreich in das Bundesgebiet zugestimmt hat.

Labour in Atomnot

Die britischen Sozialisten sind eifrig bemüht, den Riß, der sie seit letzter Woche in der Frage der Atomrüstung spaltet, als Anzeichen begrüßenswerter demokratischer Gärung innerhalb der Labour Party hinzustellen.

Diktatoren-Duo in Djakarta

Das neue indonesische Kabinett, das am Sonntag in Sukarnos Palast südwestlich von Djakarta zu seiner ersten Sitzung zusammengetreten ist, hat mit einer demokratischen Regierung nichts mehr gemein.

Schleswig- Holstein: Die zweite Butterschlacht

Wenn man sich in einen der blau und gelb gestrichenen, meist überfüllten Busse setzt, die in Abständen von zwanzig Minuten vom Flensburger ZOB aus in Richtung Grenze fahren, dann dauert es keine fünf Minuten, bis die Unterhaltung, die beim Wetter beginnt, bei der Butter endet.

Baden-Württemberg: Bumerang-Berichte

Paul Müller, 37 Jahre alt, gelernter Bäcker und "Friedenskämpfer" – wischte den Schweiß von der Stirn, holte sich seinen Koffer, den er während der Urteilsverkündung diskret in einer Ecke des Großen Sitzungssaales im Bundesgerichtshof abgestellt hatte, und verließ mit seinem Anwalt das "Hohe Haus".

Niedersachsen: De-missioniert

Sie hat mich in einen Polstersessel der elterlichen guten Stube placiert, den Rauchtisch herangeschoben, damit ich notieren kann, und sich gegenüber auf die Kante eines anderen Plüschmöbels gesetzt.

Wenn die bunten Fahnen wehen...

Am vergangenen Dienstag wehten von den Leitungsbügelnaller Hamburger Straßenbahnen kleine Fähnchen in den Farben des Bundes oder der Hansestadt.

Im alten Berlin

Vom vollfetten filmfestlichen Trubel bin ich müde, Ich mag kein Neonlicht mehr sehen, das hektische Treiben des Kurfürstendamms habe ich zehn Tage lang tapfer genossen, die kalte, protzige Pracht der Betongiganten rund um den Zoo hat mein Bedürfnis nach Sensationen reichlich gestillt – jetzt sehne ich mich nach Ruhe.

Vom Abenteuer der Übersetzungen

Das Verdienst des Johann Heinrich Voß, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Deutschen Homer geschenkt hat, ist unbestritten.

Barlach ohne Distanz

dem Verfasser mit gutem Recht bescheinigt, ist nicht immer und nicht unbedingt eine Empfehlung. Sie ist es dann nicht, wenn der Autor auf dem Standpunkt stehengeblieben ist, den er vor Jahrzehnten eingenommen hat, als er mit seinem Gegenstand vertraut wurde.

Erst Bettler Purwin – dann Massenwahn

Von dem Dichter Gustav Schenk sind in kurzer Folge drei Bücher herausgekommen, von denen man schlecht sagen kann, daß sie dieselbe Handschrift aufwiesen, wohl aber, daß sie ein Typikum für die Situation des poetischen Romantikers von heute darstellen.

Der Dichter

"Strömend sind diese Gedichte, scheinbar ohne jeden Kampf mit dem Wort geschrieben", so urteilt die katholische Dichterin Gertrud von le Fort über das Lyrikbändchen Mauricio Boersners ("Wandlung und Dauer", Limes Verlag, Wiesbaden, 128 S.

München ehrt Bruno Walter

In München war der Städtische Kulturpreis mehrfach starker Kritik ausgesetzt: solange er nämlich in völlig unzweckmäßiger Weise zu gleichen Teilen an Prominenz und Nachwuchs vergeben wurde – wobei weder eine wirkliche Ehrengabe noch eine wirksame Förderung herauskam.

Wer reist, der flieht

Auf dem Wasser, zu Lande, durch die Lüfte drängt und reist in der schönen Zeit des Jahres alles hinaus. Urahne, Großmutter, Mutter und Kind, darunter auch Väter und solche, die es werden wollen, packen schwitzend.

Stendhal k. o.?

Was ist die Literatur? Ein Boxkampf, in dem Dichter A den Dichter B durch technischen K. o. erledigt. Was sind gute Bücher, die man nicht selbst geschrieben hat? – "Rote Tücher", mit denen "man den Stier zum Angriff reizt".

Bedeutende Ordinarien antworten

Wir drucken hier einen Brief ab, in dem Professor Dr. Dr. h. c. L. Heilmeyer (Freiburg i. Br.), Ehrenprofessor der Medizinischen Fakultät Santiago de Chile und Inhaber vieler wissenschaftlicher Auszeichnungen, zu der Artikelserie "Wie man in Deutschland Medizin studiert" Stellung nimmt.

Wie großzügig!

Die Kontrolle der deutschen Forschung auf nichtmilitärischem Gebiet ist, wie AP meldet, von den drei westlichen Militärgouverneuren gelockert worden.

Danton – ein kleinbürgerlicher Hamlet?

Daß bei tropischen Temperaturen ein ausverkauftes Haus über vier Stunden lang eine Tragödie durchhält, in der kein Lichtblick die Lebensgeister auffrischt – das ist wohl nur möglich, wenn das Drama "Dantons Tod" und der Regisseur Fritz Kortner heißt.

ZEITMOSAIK

Doktor Adrian Wettach, bekannt unter dem Namen "Grock" ist in Italien an einem Herzschlag gestorben. Er war 79 Jahre alt. Über ein halbes Jahrhundert lang hat er sein Publikum lachen gemacht.

Brückenkopf oder Gefängnis?

Was bereits Anfang 1959 entgegen allen offiziellen Beteuerungen langsam klar wurde, ist nun offiziell anerkannt: die Freihandelszone aller 17 oder doch wenigstens der Mehrzahl der OEEC-Länder ist tot.

Fremde Aktien unerwünscht

Finanzminister Pinay hat den Versuchen und eventuellen Absichten ausländischer (insbesondere schweizerischer) Investment-Trusts, ihre Anteile auch dem französischen Börsenpublikum zugänglich zu machen, einen Riegel vorgeschoben.

Boom ohne Inflation

Die Zahl der Arbeitslosen im Bundesgebiet wird erstmals vom Angebot an offenen Stellen übertroffen. Die Konjunktur läuft auf vollen Touren.

Jenseits des Erlaubten

In den interessierten Wirtschaftskreisen der EWG-Länder und in Brüssel beschäftigt man sich gegenwärtig eingehend mit einer Ende Mai von der französischen Regierung getroffenen Steuermaßnahme.

ZEIT-RAFFER

Am Mittwoch sind in den USA eine halbe Million Stahlarbeiter in einen unbefristeten Streik getreten, nachdem die über zwei Monate laufenden Verhandlungen um den Abschluß eines neuen Tarifvertrags zusammengebrochen waren.

Luft-Kontakte

Zwischen Westdeutschland und Polen wurde eine Brücke geschlagen. Genauer: Zwischen der "Deutschen Lufthansa" und der polnischen Luftverkehrsgesellschaft "LOT".

Neunkirchen verstärkt Reserven

Der Vorstand der Neunkircher-Eisenwerk AG in Neunkirchen/Saar reiht das Geschäftsjahr 1958 in die wirtschaftlich guten Jahre ein.

Neues Kapital für Trinkaus

Das Düsseldorfer Privatbankhaus C. C. Trinkaus hat jetzt zum zweiten Male innerhalb eines Jahres seine Kapitalbasis erweitert, und zwar um ungefähr 45 v.

+ Weitere Artikel anzeigen