Zwischen Westdeutschland und Polen wurde eine Brücke geschlagen. Genauer: Zwischen der "Deutschen Lufthansa" und der polnischen Luftverkehrsgesellschaft "LOT". Wenn nicht in letzter Minute noch unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten, werden bereits in Kürze die ersten LOT-Maschinen auf dem Rhein-Main-Flughafen landen und damit einen regelmäßigen Flugdienst Warschau–Prag–Frankfurt eröffnen. Das Abkommen ist das erste mit dem Ostblock, und wenn es erst einmal perfekt ist und reibungslos funktioniert, dann wird es bestimmt nicht das letzte sein.

Nach den bisherigen Meldungen wird die "Lufthansa" vorerst keine eigene Linie nach Warschau einrichten. Die Zentrale in Köln wäre aber gut beraten, nicht ad infinitum den gesamten Ostblock als terra incognita zu betrachten. Schließlich fliegen seit langem bereits ständig europäische Luftverkehrsgesellschaften die Hauptstädte im Osten an. Die Zeit, da nur die finnische Fluggesellschaft das Privileg für Landungen in Moskau hatte, ist vorbei. Heute zählen auch die sowjetischen Zivilmaschinen auf vielen westeuropäischen Flugplätzen zu den ständigen Gästen.

Optimisten glauben, daß es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot auch der ersehnte Sprung über den Atlantik gelingt. Die Einrichtung einer westdeutschen Flugroute nach Warschau wäre wahrlich keine verkehrspolitische Extratour, sondern lediglich ein Einschwenken auf die Linie der anderen westeuropäischen Fluggesellschaften. Auch Moskau gehört eines Tages in den "Lufthansa"-Flugplan. Denn viele Fluggesellschaften Westeuropas haben heute bereits Abkommen mit der Sowjetunion getroffen; so die Briten, die Holländer, die Skandinavier, die Franzosen und Belgier. Auch die Amerikaner haben schon in Moskau verhandelt, und dabei soll es sogar um die Einrichtung von Flugrouten via Sibirien nach Tokio gegangen sein. Bisher haben die Sowjets in diesem Punkt stets strikt "Njet" gesagt. Aber dieses Nein wird eines Tages fallen. W. S.