In München war der Städtische Kulturpreis mehrfach starker Kritik ausgesetzt: solange er nämlich in völlig unzweckmäßiger Weise zu gleichen Teilen an Prominenz und Nachwuchs vergeben wurde – wobei weder eine wirkliche Ehrengabe noch eine wirksame Förderung herauskam. Seitdem aber das System geändert worden ist und eine klare Scheidung zwischen den "Kulturellen Ehrenpreisen" und den "Kulturellen Förderungspreisen" vorgenommen wird, sieht die Sache wesentlich anders aus.

Die soeben verteilten Förderungspreise dieses Jahres wurden der Dichterin Oda Schäfer, dem Elektronenmusiker Josef Anton Riedl dem Architekten Fred Angerer, dem Bildhauer Fred Filier und dem Maler Albrecht von Hancke zugesprochen. Zum Träger des mit 15 000 DM dotierten Ehrenpreises wurde Bruno Walter erwählt, der große Dirigent, der heute als Dreiundachtzigjähriger in den Vereinigten Staaten lebt.

Schon die vorjährige Preisverleihung an Werner Heisenberg zeigte, daß nicht nur irgendeine bedeutende Persönlichkeit ausgezeichnet werden soll, sondern eine Persönlichkeit, die mit der Stadt München in schöpferischer Weise verbunden ist. Auf Bruno Walter trifft das in hervorragendem Maße zu: In seinem fruchtbarsten und reichsten Lebensjahrzehnt war er Bayerischer Generalmusikdirektor an der Spitze der Münchner Hof- und Staats-Oper – die ihrerseits ihm und seinem Wirken ihre eigentliche Glanzzeit (von 1913 bis 1923) verdankt.

Das Entscheidende dabei ist, daß Bruno Walter noch zu jenen Dirigenten klassischen Ranges zählt, deren Ruhm nicht dem Starkult entsprang, sondern der Durchsetzung noch nicht genügend anerkannte Komponisten. So hat Bruno Walter die Werke seiner beiden großen Freunde Gustav Mahler und Hans Pfitzner zur Geltung gebracht und ihnen hier gewissermaßen Heimatrecht erworben.

Auch für den zu Unrecht inzwischen wieder vernachlässigten Meister Walter Braunfels hat er manche Lanze "gebrochen.

Zugleich stellt die Verleihung des Preises einen Akt ideeller Wiedergutmachung dar, den Deutschland einer seiner integersten Persönlichkeiten schuldig war. A-th