Ein Statistiker hat uns unlängst verraten, daß der Turniersport hinsichtlich des Besuches seiner Veranstaltungen unmittelbar hinter dem Fußball steht. Das ist eine geradezu erstaunliche Entwicklung in unseren Tagen der Mechanisierung und Motorisierung.

Schon die Horner Rennbahn, auf der anfangs dieses Monats der dreijährige braune Hengst Uomo aus dem Stalle Röttgen das Deutsche Derby gewann, verzeichnete eine solche Besucherzahl, wie noch niemals seit Kriegsende, und auf dem neu gestalteten Turnierplatz von Klein Flottbek waren am letzten Sonntag, als der dithmarscher Reiter, Fritz Thiedemann, auf seiner siebenjährigen Schimmelstute Retina zum fünften Male das Deutsche Spring-Derby gewann, 35 000 Zuschauer versammelt. Das Spring-Derby endete in einem sehr aufregenden Stechen der sechs im ersten Durchgang fehlerlos gebliebenen Pferde und wurde in einem sehr schnellen Ritt des Siegers gewonnen, der mit drei Pferden aufgetreten war. Alle fünf an diesem Endkampf beteiligten deutschen Pferde entstammten übrigens der Holsteiner Zucht, während das sechste Pferd des Italieners Piero d’Inzeo ein Ire war. Auch im Dressur-Derby und Fahr-Derby triumphierten wieder die Sieger der Vorjahre, die damit eine sehr eindrucksvolle Stetigkeit ihres Könnens zeigten. In der Dressur, in der alle Teilnehmer des Finales auch die Pferde ihrer Gegner zu reiten hatten, war wiederum Willi Schultheis nicht zu schlagen. Zum fünften Male wurde diese Prüfung ausgetragen und immer noch hat sie dieser hervorragende Reiter gewonnen. Das beste Pferd war diesmal die zwölfjährige dunkelbraune Stute Thyra, deren Besitzerin, Frau Rosemarie Springer, nach sehr eindrucksvollen Ritten erneut den obligaten zweiten Platz belegte. Zum sechsten Male gar wurde im Fahr-Derby der fünfundvierzigjährige Landwirt Franz Lage mit seinem Holsteiner-Viererzug mit dem großen Lorbeerkranz und der blauen Schleife als Sieger geschmückt.

Zu dem großen Erfolg, den in diesem Jahre gerade die Fahrkonkurrenzen errangen, mag besonders der Umstand beigetragen haben, daß der Flottbeker Verein diese Prüfungen in großzügigster Weise mit Geldpreisen ausgestattet hatte. Um sich in heutiger Zeit noch Gespanne zu halten, braucht man nicht nur eine große Passion, sondern auch Geld. Der Anreiz der Preise hatte geholfen. Seit über einem Jahrzehnt sahen wir kein so starkes Aufgebot an Gespannen und gut trainierten Wagenpferden.

W. F. Kleffel