In der ZEIT vom 3. Juli 1959 beantworteten wir eine Leseranfrage, die sich auf die inzwischen notierten Bezugsrechte der Dortmunder Union-Brauerei bezog. Daraufhin sind uns einige Zuschriften zugegangen, in denen um nähere Aufklärung über die Art und Weise der Bezugsrechtsrechnung gebeten wurde. Sie zeigten mir, meine verehrten Leser, daß es wieder einmal an der Zeit ist, das Thema "Bezugsrechte" zum Gegenstand eines Gespräches zu machen. Bei dieser Gelegenheit darf ich Sie bitten, mir sofort zu schreiben, wenn Ihnen in unseren Gesprächen etwas unklar geblieben ist. In Dingen der Vermögensanlage darf man nicht "schwimmen"; nur wenn man wirklich klarsieht, kann man richtige Entschlüsse fassen.

Nach dem Aktiengesetz muß bei einer Kapitalerhöhung jedem Aktionär ein seinem Anteil an dem bisherigen Grundkapital entsprechender Teil der neuen Aktien zum Erwerb angeboten werden. (Unter bestimmten Voraussetzungen kann das gesetzliche Bezugsrecht der Aktionäre allerdings ausgeschlossen werden – aber mit dieser Frage wollen wir uns heute nicht beschäftigen.) Üblicherweise übernimmt eine Bank oder eine Bankengemeinschaft die neuen Aktien und bietet sie den bisherigen Aktionären zu den von der Hauptversammlung bzw. der Verwaltung festgesetzten Bedingungen zum Bezüge an.

Beispiel: Eine Aktiengesellschaft mit einem bisherigen Kapital von 6 Mill. DM will ihr Kapital um 2 Mill. DM durch Ausgabe junger Aktien erhöhen. Dann kann der Aktionär auf je 6 Aktien zu nom. 100 DM zwei neue (junge) Aktien beziehen. Das Bezugsverhältnis beträgt demnach 6 : 2 oder 3:1. Aktionäre, die keine neuen Aktien beziehen wollen, können ihr Bezugsrecht veräußern. Das übernimmt die jeweilige Bank, und zwar zu einem Preis, der an der Börse im Zuge der dreitätigen Bezugsrechtsnotierung ermittelt wird. Einkünfte aus dem Verkauf des Bezugsrechts unterliegen bei Privatpersonen nicht der Einkommensteuer. Sie sind nämlich veräußerte Vermögensteile.

Wie wird nun der Preis für das Bezugsrecht ermittelt? Vorweg ist dazu zu sagen, daß die Börse eine Kapitalerhöhung bei einer Gesellschaft positiv beurteilt und daß deshalb der Aktienkurs bei Bekanntgabe der Kapitalerhöhung steigt. Das hängt weitgehend mit dem Ausgabekurs für die jungen Aktien zusammen, der üblicherweise sehr viel niedriger ist als der jeweilige Börsenkurs für die alten Aktien. Einmal wollen die Gesellschaften durch den niedrigeren Ausgabekurs einen Anreiz schaffen, die jungen Aktien zu beziehen (also auf diese, Weise sicherstellen, daß das geforderte neue Kapital schnell gezeichnet wird), zum anderen sehen sie in dem niedrigen Bezugskurs eine Möglichkeit, die Aktionäre über den Umweg einer Kapitalerhöhung, an den Gewinnen der Gesellschaft teilhaben zu lassen, und zwar steuerfrei. Da auf die jungen Aktien natürlich ebenfalls Dividende gezahlt wird, erhöht sich für die Altaktionäre die Rendite ihres Aktienbesitzes, ohne daß die Dividenden heraufgesetzt zu werden brauchen. Die gefürchtete "Optik der hohen Dividenden" wird auf diese Weise vermieden.

Nun zu unserer Bezugsrechtsrechnung. Gehen wir davon aus, daß der Kurs für die alten Aktien bei 880 v. H. liegt und die jungen Aktien zu einem Kurs von 250 v. H. ausgegeben werden sollen. Legen wir ferner – der Einfachheit halber – zugrunde, daß die jungen Aktien für das laufende Geschäftsjahr voll dividendenberechtigt sind.

Jetzt rechnet man: Nom. 300 DM alte Aktien zu 880 v. H. = 2 640 DM

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