Die Verwaltung der Deutschen Überseeischen Bank, Berlin-Hamburg, hat seit Jahren keinen Zweifel daran gelassen, daß die Aktionäre mit einem scharfen Kapitalschnitt rechnen müssen. So war die Hauptversammlung denn auch nicht sonderlich überrascht, als sie aus dem Munde von Bankier Hermann J. Abs hören mußte, "daß das Institut im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen "an allen Gliedern amputiert worden ist". Das Kapital von früher 36 Mill. RM wurde deshalb auf 9 Mill. DM zusammengelegt, und auch dies ging nur, weil in der Vermögensrechnung für 7 Mill. DM Ausgleichsforderungen erscheinen, von denen zwei bis 1973 aus Jahresgewinnen getilgt werden müssen. Unter Einschluß der Steuern sind dafür 5 Mill. aufzubringen. Auch die teilweise Rückgabe von Vermögenswerten im Ausland wird die Vermögenslage nicht sonderlich verbessern, denn dafür sind Ausgleichsforderungen zurückzugeben. Wenn man außerdem noch hört, daß das gegenwärtige Geschäft (die Jahre 1953–1957 brachten keine Bilanzgewinne) weitgehend mit Hilfe und Unterstützung der Deutschen Bank, der Großaktionärin, abgewickelt wird, dann muß man sich doch wohl fragen, woher die Börse den Mut nimmt, die RM-Aktien der Bank mit 85 v. H. zu bewerten. Das entspricht einer DM-Notiz 340 v. H. für ein Papier mit sehr ungewissen Dividendenaussichten. Auch ein Bezugsrecht kann zur Zeit noch nicht erwartet werden. Man ist sich nämlich nicht sicher, das erhöhte Kapital später auch entsprechend verzinsen zu können.

In zwei Richtungen müssen sich die Erwartungen der Aktionäre jetzt konzentrieren. Einmal bestehen noch Aussichten auf Rückgabe einiger Vermögenswerte in den südamerikanischen Ländern. Nicht dagegen in Spanien. "Je entwickelter ein Staat ist, desto unentwickelter ist sein Rechtsgefühl!" so sagte Abs auf der Hauptversammlung, die ihn zum Ehrenpräsidenten des Instituts wählte. (Er kann dem Aufsichtsrat nicht angehören, weil er bereits die gesetzlich zulässige Höchstzahl an Mandaten innehat.) Entwicklungsmöglichkeiten bestehen für die Bank zum anderen im Auslandsgeschäft und in der eventuellen Einschaltung bei deutschen Auslandsinvestitionen. Ein wesentlicher Schritt ist es, wenn jetzt in Buenos Aires wieder eine Filiale errichtet wird. Damit wird ein neuer Start gemacht.

K. W.