Die wichtigste Voraussetzung für die Neuorganisation der CDU-Führungsspitze ist erfüllt: Bundeskanzler Adenauer, zugleich Vorsitzender der Partei, hat sich grundsätzlich positiv zu den Plänen der Reformer geäußert.

Diese Pläne sind keineswegs neuen Datums. Sie sind zwar durch die letzte Parteikrise – die über die CDU hinwegging, ohne daß der Parteivorstand eine Möglichkeit zum Eingreifen hatte – erheblich gefördert worden, ihr Ursprung aber liegt weiter zurück. Letzten Endes entspringen sie der Sorge vor dem schwierigen Übergang in die "Nach-Adenauer-Ära". Denn daß nur eine organisatorisch gefestigte Partei mit einer klar durchgegliederten Führungsspitze diesen Obergang reibungslos vollziehen kann, das war den Einsichtigen schon lange klar.

Es ist nun kein Zufall, daß sich gerade die Landesvorsitzenden am energischsten für die Reform einsetzen. Die politischen Entscheidungen der CDU wurden bisher ausschließlich in Bonn gefällt. "Die vom Lande" – wie man in Bonn zuweilen mit hauptstädtischer Arroganz sagt – kamen dabei nur wenig zu Wort. Und selbst in Bonn wurden die Entschlüsse meist in dem kleinen Kreis um Adenauer gefaßt.

Hier setzt jetzt die Reform an. Eine zehnköpfige Führungsgruppe – ein "Parteikabinett", wie es ein Landesvorsitzender nannte – soll allmählich die politische Führung der CDU übernehmen und in regelmäßigen Abständen (mindestens alle drei Monate) zusammentreten. Auch Landesvorsitzende haben darin Sitz und Stimme. Die Mitglieder erhalten klar umrissene Aufgaben – sozusagen "Ressorts". Es ist durchaus möglich, daß auch Bundeswirtschaftsminister Erhard, der sich bisher von der Arbeit in der Parteiorganisation freigehalten hat und nur kraft seines Ministeramtes dem 65 Mann starken Parteivorstand angehört, in das Parteikabinett einrückt.

Die Stellung der stellvertretenden Parteivorsitzenden (bisher vier Gleichberechtigte: Krone, Hassel, Gerstenmaier, Blank) soll im übrigen ausgebaut und hierarchisch festgelegt werden. So sollen sie zum Beispiel das Recht erhalten, den Parteivorstand einzuberufen – notfalls auch gegen den Willen des ersten Vorsitzenden. Wieviele Stellvertreter dem Vorsitzenden zugeordnet werden, ist noch nicht entschieden, wenngleich meist die Zahl zwei genannt wird. Wichtiger als die Zahl ist indes auf jeden Fall, daß die Stellvertreter wirkliche Rechte haben – und daß sie Manns genug sind, ihre Rechte auch wahrzunehmen. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident v. Hassel wird, so heißt es, wohl auf jeden Fall darunter sein.

Manche Reformer wollen, ginge es nach ihnen, jedoch über eine Umgliederung des Parteivorstandes hinausgehen. Sie haben Pläne erörtert, die Personalunion von Regierungschef und Parteivorsitzenden aufzuheben. Sie halten es für möglich, daß die CDU 1961 zwar noch mit dem Kanzlerkandidaten Adenauer, nicht mehr aber mit einem Parteivorsitzenden Adenauer in den Bundeswahlkampf zieht.

Bis dahin freilich müssen die Reformer noch manches Hindernis aus dem Weg räumen. Adenauer hat sich zwar, beeindruckt durch die letzte Krise, grundsätzlich mit der Reform einverstanden erklärt, doch ist damit das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Zunächst einmal müssen die Vorschläge im Parteiausschuß durchgesprochen und dann, soweit sie eine Satzungsänderung notwendig machen, vom Parteitag gebilligt werden. Der nächste ordentliche Parteitag der CDU aber findet erst im nächsten Frühjahr statt. Die kühnsten Reformer hoffen, daß noch in diesem Jahr ein außerordentlicher Parteitag zusammentritt. Es könnte allerdings sein, daß sie dabei die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Rolf Zundel