R. N., London, im Juli

Mit der Bewilligung gewichtiger Zollzugeständan den dänischen Agrarexport glaubt England die letzten Hindernisse der "Kleinen Freihandelszone" aus dem Weg geräumt zu haben. Was während der vergangenen Woche in London von Schatzkanzler Heathcoat Amory und Europaminister Maudling auf der einen Seite und von Außenminister Krag und Landwirtschaftsminister Skytte auf der anderen verhandelt worden ist, bedarf zwar noch der ausdrücklichen Bestätigung durch das dänische Parlament. Daß das britische Angebot dabei als unzureichend zurückgewiesen werden könnte, gilt aber als höchst unwahrscheinlich. Wenn am nächsten Montag die Minister der "äußeren Sieben" in Stockholm den Beschluß gefaßt haben werden, das Projekt einer Marktgemeinschaft der "Non-Six" zu verwirklichen, dann mögen in der Tat nur noch Probleme rein technischer Art zu klären sein.

Ohne Dänemark hätte diesem Projekt die genügend breite Basis gefehlt. Nachdem es nun gelungen zu sein scheint, die Dänen zum Einschwenken in die Front der Widerstandskämpfer zu bewegen, spricht man in London zunehmend hoffnungsfreudig sogar von einer eventuellen Partnerschaft Finnlands – obwohl man dann kaum noch sagen könnte, daß die Kleine Freihandelszone in erster Linie auf die Verschmelzung mit dem Gemeinsamen Markt abziele: Für die Finnen ist das Bemühen um eine solche enge Verbindung keine sinnvolle Politik.

Was man den Dänen für den Fall des Zustandekommens der Kleinen Freihandelszone als Gegenleistung für ihre Einfuhrliberalisierung und den Zollabbau gegenüber England zugesagt hat – im wesentlichen die über zwei Jahre hinweg zu staffelnde Stornierung des Bacon-Tarifes –, tut dem heimischen Bauern natürlich nicht sonderlich wehe. Von der National Farmers’ Union war im Laufe der letzten vierzehn Tage zu wiederholten Malen und mit zunehmendem Nachdruck vor jedem Versuch gewarnt worden, die den Dänen aus der wirtschaftlichen Aufspaltung Europas entstehenden Probleme auf dem Rücken der britischen Landwirtschaft zu lösen. Auf maximale Schonung dieser heimischen Agrarinteressen (und auf absolute Absicherung der Empirepräferenz und sonstiger Commonwealth-Anliegen) hatte die Regierung in der Auseinandersetzung mit Dänemark um so mehr geachtet, als zum Oktober höchstwahrscheinlich die Parlamentswahlen bevorstehen.

Nachdem jetzt die britische Regierung Dänemark ausdrücklich zusichern mußte, die Politik der Agrarstützung so zu handhaben, daß die mit den Zollkonzessionen gebotenen Gelegenheiten zur Absatzsteigerung tatsächlich auch genutzt werden können, haben die heimischen Bauern nun aber doch scharf protestiert.

Von Seiten der dänischen Exporteure ist daher auch eilfertig die Meinung herumgeboten worden, daß die Rückwirkungen der Zollaufhebung auf die britischen Einzelhandelspreise sich aller Voraussicht nach in sehr engen Grenzen halten werden. Aber das bleibt abzuwarten.