Von Werner Eisenhut

Das Verdienst des Johann Heinrich Voß, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts den Deutschen Homer geschenkt hat, ist unbestritten. Aber daß der pietistische Verfasser der idyllischen Dichtungen "Luise" und "Der siebzigste Geburtstag" den homerischen Ton in einer Weise getroffen habe, die heute noch erträglich ist, kann niemand im Ernst behaupten.

"Sei mir gepriesen, Alter, der den Knaben du, Ein treuer Dolmetsch, in die sonnige Fabelwelt Der Griechen führtest, wenn sich auch ihr Goldgeweb

Ein wenig unter deiner Hand vergröberte

Und oft zu schwer Joniens flüssige Weise dir Von niederdeutscher Lippe quoll."

So pries Emanuel Geibel den großen Übersetzer – mit Recht. Nicht mit Recht aber wird heute die Voßsche Homer-Übersetzung in einer Taschenbuch-Ausgabe wieder abgedruckt, wobei natürlich Homer, nicht etwa Voß bekannt gemacht werden soll:

Homer: "Ilias"; Goldmanns Gelbe Taschenbücher Nr. 411, 1,90 DM; Homer: "Odyssee"; Goldmanns Gelbe Taschenbücher Nr. 374, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1,90 DM.