Anleitungen sind eine zwiespältige Sache. Eine Anleitung, die von zweieinhalbhundert Seiten etwa 95 beansprucht, hat wenig Aussicht auf wohlwollende Leser. Um so erstaunlicher ist es, daß man diese Einleitung mit wachsendem Interesse liest und daß man nach der Lektüre das Gefühl hat, dem Verständnis der Nachdichtung Hölderlins ein gutes Stück näher gekommen zu sein. Mit Erstaunen mag man gewahr werden, wie vieles Hölderlin aus seiner eigenen religiösen Haltung geformt hat, wie im Tiefsten nahe aber das Ganze dem Griechen ist! Gegenüberstellungen zeigen, wie einfach oft gerade Hölderlin im Vergleich zu anderen übersetzt.

Ebenfalls in der Fischer-Bücherei ist eine kenntnisreiche Übersetzung dreier Stücke des ältesten der drei Klassiker der Tragödie erschienen:

Aischylos: "Die Orestie"; drei Tragödien; übertragen und erläutert von Ernst Buschor; Fischer-Bücherei (Band 194), Frankfurt am Main; 2,20 DM.

Die Übersetzung, die viel vom Geist der Tragödie vermittelt, hat ihre Bühnenprobe bereits bestanden. Sie hält sich eng an das Original, verwendet in den Sprechversen statt der sechsfüßigen Jamben die im Deutschen geläufigen fünffüßigen, vermeidet aber den weiblichen Versausgang, so daß die Verse sämtlich volltönend enden, wie ja auch im griechischen Vers am Ende kein Halbfuß steht.

Die größte Schwierigkeit bieten bei der Übersetzung die Chorlieder mit ihren wechselnden, zum Singen geschaffenen Rhythmen. Um so unbefriedigender muß es folglich sein, einen Dichter zu übersetzen, der nur Chorlieder gedichtet hat; nämlich Pindar. Immer wieder wurde diese Aufgabe in Angriff genommen, auch von Hölderlin, Nun ist eine weitere Übersetzung erschienen: Pindar: "Oden"; ins Deutsche übertragen und erläutert von Ludwig Wolde. Goldmann! Gelbe Taschenbücher Nr. 499; Wilhelm Goldmann Verlag, München; 1,90 DM.

Doch dies ist keine neue Übersetzung. Sie findet sich bereits seit 1942 in der Sammlung Dieterich. In der vorliegenden Ausgabe ist – was anständig und richtig gewesen wäre – ein Hinweis darauf nicht zu finden. Sie ist wortwörtlich abgedrückt, Gestrichen ist in der Einleitung des Übersetzers der Dank an den Verlag Dieterich und das Datum "Berlin, im Juli 1941".

So wörtlich ist der Abdruck – für den der verstorbene Wolde nichts kann –, daß in der Einleitung (S. 20) als neueste Literatur nur die vor dem Kriege erschienenen Werke genannt werden. Und das ist irreführend.