J. P., Hamburg

Am vergangenen Dienstag wehten von den Leitungsbügelnaller Hamburger Straßenbahnen kleine Fähnchen in den Farben des Bundes oder der Hansestadt. Es sah wirklich ganz nach einem nationalen Feiertag aus. Aber: der 14. Juli ist doch hierzulande gar kein Feiertag. Warum also hatte die Straßenbahn geflaggt?

Das war nicht ganz einfach festzustellen – jedenfalls nicht an der Haltestelle Gerhart-Hauptmann-Platz.

"Wissen Sie, warum die Straßenbahnen geflaggt haben?"

Ein wartender Fahrgast verneinte lächelnd, es schien ihn auch nicht zu interessieren. Eine ebenfalls wartende Frau wußte, es auch nicht. Ein dienstfreier Straßenbahner hatte noch nicht bemerkt, daß die Züge beflaggt waren, konnte sich auch nicht denken, warum. Zwei junge Leute kamen der Lösung schon näher: "Das ist diese Sozi–und der andere sprang ein: "Irgend etwas mit sozial ..."

Ein älterer Herr meinte, es müsse wohl wegen eines sozialdemokratischen Parteitages sein, der, wie er gehört habe, in Hamburg stattfinde. "Ach ja", fiel eine ältere Dame ein, "die Hamburger. Straßenbahnen sind ja wohl sozialdemokratisch".

Warum nicht die Schaffner fragen? Der erste wußte es nicht, der zweite wußte es nicht, der dritte wußte es nicht. Der vierte endlich wußte es: "Hier sind doch die ganzen Sozialisten", sagte er, "das hat heute angefangen".