Am Mittwoch sind in den USA eine halbe Million Stahlarbeiter in einen unbefristeten Streik getreten, nachdem die über zwei Monate laufenden Verhandlungen um den Abschluß eines neuen Tarifvertrags zusammengebrochen waren. – Von dem Streik, dem sechsten großen Arbeitskonflikt seit Ende des zweiten Weltkriegs, werden nahezu alle Stahlwerke betroffen; 90 v. H. der amerikanischen Stahlkapazität werden dadurch stillgelegt. Auch die Beschäftigungslage von Tausenden von Arbeitern anderer Wirtschaftszweige im Bergbau, Verkehrswesen usw. ist gefährdet. Präsident Eisenhower hat Anweisung gegeben, neue Verhandlungen zwischen der Industrie und der Gewerkschaft einzuleiten. Die Verhandlungen scheiterten, weil die Arbeitgeber Lohnerhöhungen und Konzessionen in den Arbeitsbedingungen ablehnten.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hatten Chemikalien, Kunststoffe und einzelne Elektroerzeugnisse in den USA – laut Bericht des amerikanischen Handelsamtes – einen jährlichen Umsatzzuwachs von 40 v. H. und mehr zu verzeichnen. Zu den Waren hingegen, deren Umsatz sich jährlich bis zu 5 v. H. und mehr verringerte, gehören u. a. Kohle, Heizöfen, Zentralheizungskörper, Dampf- und Elektrolokomotiven (Konkurrenz des Heiz- und Dieselöls) sowie Naturfasern und deren Produkte: Schaffelle, Wollwaren, Baumwolle und Baumwollwaren und Naturseide. – Eine starke Werbung nimmt sich nicht nur der Zukunfts-, sondern auch der "traditionellen" Güter an. Bezüglich der neuen Produkte halten sich die Ausgaben für Forschung und Werbung etwa die Waage.

Die mitteldeutsche Lohnpolitik wird weiterhin entscheidend durch die Erfüllung der Volkswirtschaftspläne bestimmt. In den verschiedenen Wirtschaftsbereichen verläuft die Lohnbewegung daher durchaus unterschiedlich. Hauptziel der in den letzten Monaten eingeleiteten vielfältigen Maßnahmen – die nicht nur in Lohnerhöhungen, sondern auch in der Umgestaltung der Lohnberechnung liegen – ist die Überwindung der Knappheit an Arbeitskräften. Von der Lohnneuordnung wird zunächst nur die Chemie-Wirtschaft erfaßt. Dieser Wirtschaftszweig soll nach Auffassung der SED im Mittelpunkt des weiteren industriellen Aufbaus stehen. • In der letzten Woche brachten die Saarländer ihre Enttäuschung über die Preisentwicklung seit der Währungsumstellung in einem einstündigen, von den Gewerkschaften angeregten Proteststreik zum Ausdruck. Manche Geschäftsleute versuchen offenbar, aus dem Währungsschnitt durch Umrechnung der Preise auf der Basis 100 ffrs. – 1 DM Nutzen zu ziehen. Der saarländische Ministerrat ist entschlossen, hiergegen einzuschreiten. Bundeswirtschaftsminister Erhard äußerte anläßlich eines Besuchs, das Saarland werde möglicherweise ein "Niedrig-Preisland" werden.