DK-Hamburg

Wenn das Wort ‚Fürsorge‘ die staatlichen Einrichtungen zur Erziehung Ungezogener bezeichnet, hat es einen Nebenklang, der vom wörtlichen Sinn ziemlich abweicht. Zur Fürsorge in diesem Sinne läßt sich wohl nur schwer das Adjektiv „fürsorglich“ bilden. Besonders schwer fällt das denjenigen, die dieser Fürsorge anheimfallen. Eher können schon die mit der Fürsorge Beauftragten so freundliche Assoziationen haben. Sie wollen ja – ähnlich der Polizei – denen, die sie gefaßt haben, Freund und Helfer sein. Fürsorge hat eben zwei Aspekte, den staatlichen und den anderen.

Das schien bis jetzt eine saubere Einteilung zu sein, wenn man davon absieht, daß es immer einzelne Offizialen geben wird, die ein Fürsorgeheim nicht heimisch finden und einige Zöglinge, die dankbar für die Fürsorge sind.

Nun aber ist in Hamburg etwas passiert. Anlaß war eine Gerichtsverhandlung im Landgericht. Angeklagt war ein Mädchen von achtzehn Jahren, dem ein recht unweibliches Delikt vorgeworfen wurde: Bewaffneter Raubüberfall. Weiblich war nur die Waffe gewesen, mit der das Mädchen einen alten Rentner niedergeschlagen hatte. Ihre Ausrüstung hatte aus einem Kartoffelstampfer bestanden.

Natürlich fragte man sich im Gerichtssaal, wie ein Mädchen zu einer so schrecklichen Tat gekommen sein könnte. Es ist sicherlich schwer erklärlich. Fast immer kommen bei den Delikten Jugendlicher die sogenannten Milieuschäden zutage, schlimme Verhältnisse in den Familien.

Auch diese junge Räuberin ist nicht eines Kommerzienrats wohlgehegtes Töchterlein. Ihre Mutter verlor sie aus den Augen, als sie zehn Jahre alt war. Die Fürsorge nahm sich ihrer an. Das Mädchen wurde in Heimen erzogen.

„Wie schlimm für die Angeklagte,“ denkt sich der Staatsbürger, „es wird sich also kein strafmildernder Milieuschaden finden lassen.“