hst. / Köln

Ich bin faul. So begann die Geschichte damit, daß ich eines Abends zu faul war, in der Hotelhalle meinen Personalausweis hervorzukramen und die Ausweis-Nummer in die vorgesehene Spalte des Meldeformulars einzutragen. Ich schrieb einfach meine Telefon-Nummer hin – obwohl eine PA-Nummer (wie es im Amtsdeutsch heißt) natürlich anders aussieht als eine Tel-Nummer. „Eine Verwechselung“ hätte ich gesagt, wenn es jemand gemerkt hätte. Aber niemand merkte es. Seitdem habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, immer die Telefon-Nummer einzutragen – manchmal auch die meines Freundes oder die der ZEIT-Redaktion oder der Feuerwehr. Die letzte ist sehr kurz.

Es ging damit weiter, daß ich in der Spalte Beruf des Hotel-Meldezettels „Dienstmann“ oder „Hundefänger“ schrieb. Ich trug gelegentlich auch „Schreiber“ ein – was der Wahrheit, ja am nachsten kommt – oder „Oberschreiber“. Mitunter fand ich „Fuhrmann“ nett oder – mit 36 Lebensjahren – „Postsekretär a. D.“. Ich ließ mir neue Berufe einfallen: „Stabs-Melker“, „Sandmann“ oder „Klaviateur“. Nur einmal schaute der Empfangschef ein wenig verwundert über seine randlose Brille. Er wollte sehen, wie denn wohl ein „Schienenrillenreiniger“ aussieht. Ansonsten geschah nichts. Ich vermutete seitdem, daß sich niemand für meinen Meldezettel interessiert.

Heute stand in der Zeitung: Ein Kaufmann aus Norddeutschland trug sich als „Betrüger“, „Verbrecher“, „Zuchthäusler“ und „Hochstapler“ in das Meldeformular ein. Er tat es im Auftrag des „Bundes der Steuerzahler“. Die Portiers lächelten milde. Sonst geschah nichts.

So schließt der „Bund der Steuerzahler“: „Es ist anzunehmen, daß die Meldezettel überhaupt nicht beachtet oder ausgewertet werden“.

Den Eindruck habe ich schon lange.