– ge, Achim

Unversehens ist der Seelsorger der 7000 Einwohner zählenden Gemeinde Achim bei Bremen, Pastor Helmut Buck, zur Schlüsselfigur eines Streits geworden, bei dem es einerseits um die Würde des geistlichen Amtes, zum anderen aber um die „Volksverbundenheit“ der Kirche geht. Der Streit entzündete sich an der Frage, ob ein Pastor Schützenkönig sein darf.

Der 50jährige Geistliche aus Achim, Mitglied eines Schützenvereins, bejaht diese Frage rückhaltlos. Prompt kam der treffsichere Pastor nach seiner „Krönung“ in Konflikt mit dem Kirchenvorstand und wenig später auch mit dem Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Hannover. Von dort wurde inzwischen bekannt, daß Pastor Buck „zur Rechenschaft gezogen werden soll“.

So scheint dieser Fall zu einer Kraftprobe zwischen den sich auch im evangelischen Bereich heftig befehdenden „Traditionalisten“ und „Progressisten“ zu werden. Während die einen in dem Verhalten des Achimer Seelsorgers eine über das erträgliche Maß hinausgehende „Abwertung“ des geistlichen Amtes erblicken, finden die anderen darin hoffnungsvolle Ansätze zu einer Entwicklung, die dem kirchlichen Würdenträger allmählich erlaubt, sich von angeblich erstarrten Formen der Kirchenpraxis zu lösen.

Im Grunde geht es also bei diesem Streit in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche um das alte und doch immer wieder neue Problem der sogenannten Gegenwartsnähe der Kirche. Oder, anders ausgedrückt, um die Frage, wie ein Geistlicher heute seine Botschaft verkünden soll. Pastor Buck glaubte, seinem Auftrag am ehesten gerecht zu werden, wenn er sich aktiv am Gemeindeleben beteiligte. In seiner Gemeinde aber spielt der „Schützenverein Achim e. V.“ eine entscheidende Rolle. Also trat er diesem Verein bei und ließ sich nach seinem Meisterschuß folgerichtig auch zum Schützenkönig krönen.

Das aber verübelte ihm der Kirchen vorstand. Nachdem der treffsichere Seelsorger die historische Königskette erhalten hatte und vom Bürgermeister im Rathaus gefeiert worden war, verlangten die Oberen der Kirchengemeinde von ihm, daß er die Ehrenkette binnen einer Viertelstunde ablegen solle. Höflich, aber bestimmt lehnte Pastor Buck ab.

Der Kirchen vorstand stieß sich nicht so sehr an der Teilnahme des Pastors am Königsschießen. Das größte Ärgernis war die Übernahme der Regentschaft. Das war der Stand der Dinge, als das Hannoversche Landeskirchenamt eingeschaltet wurde.