Es gibt Gesellschaften, bei denen die Aktionäre sozusagen traditionell zufrieden sind. Dazu gehört auch die Phoenix Gummiwerke AG, Hamburg-Harburg, die für 1958 eine Dividende von 10 v. H. und einen Bonus (Ersparnis aus der Körperschaftsteuer) von 3 v. H. (in 1957 waren es zusammen 11 v. H.) ausgeschüttet hat. Das ist das Ergebnis eines guten Geschäftsjahres, das sich – so war den Ausführungen von Generaldirektor Otto A. Friedrich auf der Hauptversammlung zu entnehmen – mit großer Wahrscheinlichkeit in 1959 noch einmal wiederholen wird. Die Verwaltung glaubt, daß es ihr bei den steigenden Umsätzen mit Hilfe der fortschreitenden Rationalisierung und dank der guten Auslastung des Betriebes gelingen wird, die höheren Lohnkosten und die steigenden Naturkautschukpreise ohne eigene Preiserhöhung aufzufangen und ohne daß darunter die Ertragskraft des Unternehmens leidet. Dabei muß man wissen, daß der effektive Leistungslohn seit der Währungsreform auf 270 v. H. gestiegen ist, während die Preise bei verbesserter Qualität der Produkte unter den Stand zum Zeitpunkt der Währungsreform gesunken sind.

Friedrich machte aber auch für den Aktionär eine aufschlußreiche Rechnung auf. Dank einer Geschäftspolitik, die er eine gesunde Verwendung des Gewinnes nannte, und die ihren Ausdruck darin findet, daß zwischen Ausschüttungen und Gewinnthesaurierung immer ein gesunder Mittelweg gefunden wurde, hat sich der innere Wert der Phoenix-Aktien beträchtlich erhöht. Der Kurs liegt jetzt bei 670 v. H. Seit der Währungsreform ist das Grundkapital von 12 auf 25 Mill. DM erhöht worden. Eine weitere Kapitalerhöhung auf 30 Mill. DM ist genehmigt, doch wird von dieser Möglichkeit vorerst keinen Gebrauch gemacht, da das Unternehmen sehr liquide ist und keiner neuen Mittel bedarf.

Sowohl von der Dividende her gesehen, als auch bei Berücksichtigung der Kursentwicklung, die letzten Endes nur den gewachsenen inneren Wert des Unternehmens (weil die Aktionäre stets auf die Ausschüttung eines erheblichen Teiles ihres Jahresgewinnes verzichteten) widerspiegelt, kann der Aktionär zufrieden sein. Und er ist es auch, wie das Ergebnis der Hauptversammlung zeigte. Das vortreffliche Einvernehmen, das bei dieser Gesellschaft zwischen Aktionären und Verwaltung besteht, war dann auch ein gutes Fundament für die Ausführungen, die Otto A. Friedrich zum Thema „Aktienrechtsreform“ machte. Das neue Aktiengesetz, so meinte er, müsse die Unternehmerpersönlichkeit stärken und dürfe ihre Verantwortungsfreude nicht unnötig einengen. Er forderte daher von den Aktienrechtsreformern mehr Respekt vor der unternehmerischen Leistung. Und tatsächlich hat er damit ein Kapitel aufgegriffen, das in den Auseinandersetzungen um ein neues Aktienrecht viel zu kurz gekommen ist. In den Diskussionen wird viel zu häufig die nicht hinwegzuleugnende Tatsache übersehen, daß bei der Mehrzahl der Gesellschaften „alles in Ordnung“ ist.

Das, was die Öffentlichkeit in puncto Aktienrecht in letzter Zeit so erregt hat, waren Ausnahmen, die vielleicht jetzt etwas gehäuft aufgetreten sind. Darf man aber dieser Ausnahmen wegen ein Gesetz machen, das in vielen Paragraphen auf den Ausnahmezustand zugeschnitten ist? Otto A. Friedrich hat den Standpunkt des „guten Unternehmers“ auf seiner Hauptversammlung vertreten. Es wäre schön, wenn von seiner Seite einmal exakt gesagt werden könnte, welche Paragraphen des Entwurfes für ein neues Aktiengesetz eine neue Form finden müßten und wie diese Form aussehen sollte. K. W.