Das größte deutsche Passagierschiff, die für etwa hundert Millionen Mark Umbaukosten aus dem französischen Truppentransporter „Pasteur“ entstandene „Bremen“, zudem auch das schnellste Schiff der deutschen Handelsmarine – sie absolviert gegenwärtig als fünftes Schiff dieses Namens und Flaggschiff des Norddeutschen Lloyds ihre Jungfernreise. Was im ersten, großaufgezogenen Besichtigungstrubel im New Yorker Hafen den Teilnehmern des Galaempfanges – 200 amerikanische Bankiers, Industrielle, Verleger und Vertreter der Verkehrswirtschaft – nicht besonders aufgefallen sein mag über all dem Glanz der Einrichtungen und dem traditionellen glänzenden Service, das ist das eigentliche Charakteristikum dieses Musikdampfers.

Der Norddeutsche Lloyd nennt es eine Verpflichtung, daß jede der vier Vorgängerinnen der heutigen „Bremen“ zu ihrer Zeit Schrittmacher, einer neuen Epoche der Passagierschiffahrtsentwicklung war. Superlative in Größe und Geschwindigkeit hätten allein heute keine außergewöhnliche Zugkraft.

So hat man Tests und Untersuchungen über die Anforderungen und Ansprüche des internationalen Reisepublikums sehr sorgfältig ausgewertet und in drei Sonderdiensten verwirklicht. Dazu zählt eine spezielle Betreuung alleinreisender und älterer, des Reisern ungewohnter Fahrgäste sowie der Auswanderer; ferner wird Geschäftsreisenden ein vollständig ausgerüstetes Sekretariat mit versierten Schreibkräften geboten, womit sie Gelegenheit erhalten, einerseits die Erholung an Bord zu genießen, andererseits aber in Muße die vor oder nach ihrer Geschäftsreise anfallenden Arbeiten erledigen zu lassen.

Eine Besonderheit aber, mit der bisher kein anderes Schiff aufwarten kann, ist der sogenannte erweiterte ärztliche Dienst. Hier besteht für den Reisenden die Möglichkeit, an Bord entweder bereits geplante Kuren einzuleiten, begonnene Kuren fortzuführen oder sich einer wirksamen Nachkur zu unterziehen. Die günstigen Einflüsse einer Seereise auf alle Formen von funktionellen und leichteren organischen Magen- und Darmstörungen, Lebererkrankungen – sowie Stoffwechselkrankheiten, von funktionellen und leichten organischen Herz- und Kreislaufstörungen sowie Erkrankungen der Atemwege können auf der „Bremen“ durch entsprechende ärztliche Betreuung vertieft werden. Es ist außerdem dafür gesorgt, daß fast alle ärztlich verordneten Diäten an Bord eingehalten werden können. In modern eingerichteten Räumen stehen genügend therapeutische Mittel zu Kneippanwendungen, medizinischen Bädern, warmen und kalten Seewasserwannenbädern, zu Höhensonnenbestrahlungen und sogar zu Unterwassermassagen zur Verfügung. Mit allen diesen Einrichtungen wird hier deutlich gemacht, welche Vorteile die „langsame Schiffahrt“ im Zeitalter des Düsenflugverkehrs den Reisenden zwischen den beiden Welten zu bieten vermag. O. F.