Geld und Sitten kommen von jenseits des Atlantiks

Von Michael Davie

London, Ende Juli

Die Amerikanisierung Englands – jene jüngste Entwicklung, die manchem schreckhaften Briten eine Gänsehaut verursacht – hat letzte Woche weitere Fortschritte gemacht: Überraschend kaufte der kanadische Finanzlöwe Roy Thomson den Zeitungsring des Lord Kemsley auf. Das größte Verlagsgebäude Europas in Manchester ging dabei samt einer Reihe von Provinzblättern und der angesehenen Londoner Sunday Times in Thomsons Besitz über.

Geschäft mit Zeitungen

Der Schock, den diese Transaktion auslöste, war deswegen, so groß, weil der Kanadier in ein Geschäft einstieg, von dem jedermann geglaubt hatte, daß es ganz hübsche Gewinne abwerfe. Wer allerdings Mr. Thomson hört, der nun zu der Überzeugung kommen, daß die englische Methode des Zeitungmachens noch reichlich mittelalterlich sei. Thomson besitzt jedenfalls in Kanada und den Vereinigten Staaten ungefähr dreißig Zeitungen, die er fast wie Kettenläden durchrationalisiert hat. Um Kosten zu sparen, versorgt er all seine Blätter aus einer Nachrichten- und Meinungszentrale in Toronto. Offenbar glaubt der arrivierte Bankierssohn, daß er mit derselben Methode auch in England gewinnreich wirtschaften kann.

Roy Thomson ist nun aber beileibe nicht der erste Geschäftsmann von "drüben", der den Briten schmerzlich zum Bewußtsein bringt, welch reiche Beute den nordamerikanischen Geschäftsleuten bei ihren transatlantischen Fischzügen gerade in England winkt. Die erste bemerkenswerte Nachkriegstransaktion dieser Art spielte sich vor drei Jahren ab, als die Trinidad Ort Company urplötzlich an die Texas Oil Company überging. Worauf es die Texas Company abgesehen hatte? Keineswegs auf das Öl, sondern auf die Tankstellen in England. Die Wogen der Erregung gingen hoch; einige Parlamentsmitglieder verlangten sogar, die Regierung solle den Verkauf verbieten. Der Handel wurde trotzdem abgeschlossen, und heute gibt es in Großbritannien kaum noch eine Stadt, wo die Texaner keine Zapfstellen haben.