Im Januar war Fidel Castro, der siegreiche Rebell, Ministerpräsident von Kuba geworden, jetzt, sechs Monate später, ist es in Havanna zur ersten Regierungskrise gekommen, und Castro hat sie – wie es scheint – glänzend überstanden. Es ist alles so glücklich für ihn abgelaufen, daß sich der Verdacht aufdrängt, Castro selbst habe diese mittelamerikanische Haupt- und Staatsaktion inszeniert.

Das Schauspiel begann, als Kubas Ministerpräsident seinen Rücktritt bekanntgab und seinen Entschluß im Fernsehen begründete. Es war ein wirkungsvoller Auftritt: Der Freund des Volkes gab sein Amt zurück, schmerzlich bewegt, sorgenvoll in die Zukunft blickend. Verräter – wie könnte es anders sein – hinderten sein Werk. Dann fiel der Name des Staatspräsidenten Urrutia. Der Staatspräsident, der bisher einen mäßigen und ausgleichenden Einfluß auf die kubanische Politik ausübte und der im Ausland als besonnener und ehrenhafter Mann galt, hatte vor kommunistischen Tendenzen und unüberlegtem Radikalismus gewarnt. Er hatte zuviel gewagt.

Noch während Castros vierstündiger Rede im Fernsehen trat Urrutia zurück. Oswaldo Dorticos, ein ergebener Anhänger des Ministerpräsidenten, wurde sein Nachfolger. Castro wurde vom Kabinett und seinen Getreuen "gebeten", er möge doch weiter der Führer Kubas bleiben. Wie könnte er sich diesem Wunsch entziehen? R. Z.