Die bundeseigene Preußische Elektrizitäts-AG (Preußenelektra) Hannover, kann mit dem Geschäftsjahr 1958 noch zufriedener sein als mit 1957. Der Stromabsatz stieg im Bereich der Preußenelektra um 8,7 v. H. und im Gebiet ihrer stromerzeugenden Tochtergesellschaft Nordwestdeutsche Kraftwerke AG, Hamburg, (NWK) um 8,8 v. H. (1957 betrug die Zuwachsrate in diesem Versorgungsgebiet 6,6 v. H.). Die Konzernverwaltung sagt dazu, daß 1958 der Stromabsatz stärker gestiegen sei als es "bei vorsichtiger Beurteilung der Konjunkturlage erwartet werden konnte". Die Absatzanalyse bei einigen großen von Preußenelektra und NWK belieferten Verteilerunternehmen zeigt, daß wiederum bei der Gruppe der privaten Haushalte mit 13 bis knapp 20 v. H. der Verbrauch am stärksten gestiegen ist, aber auch die Entwicklung des Industriestromverbrauchs gibt mit 7,5 bis fast 14 v. H. in diesem Gebiet keinen Anlaß zu Pessimismus.

Der Konzernumsatz stieg bei der Preußenelektra von 633,8 (1957) auf 695,3 Mill. DM 1958 (einschl. der Tochtergesellschaften, an denen die Preußenelektra mit 50 und mehr Prozent beteiligt ist). Der Reingewinn erhöhte sich von 11,3 auf 14,8 Mill. DM und die Dividende von 9 auf 11 v. H. Inwieweit an dem guten Geschäftsergebnis von 1958 auch die am 1. 4. 1958 um knapp 5 v.H. erhöhten Strompreise beteiligt sind, läßt sich leider nicht genau feststellen.

Eine Finanzierungsbilanz der letzten zehn Jahre bestätigt, daß die Preußenelektra ihren Ausbau zu etwa 60 v. H. aus eigenen Mitteln einschl. Abschreibungen finanzierte und nur für die restlichen 40 v. H. Fremdmittel beanspruchte. Die gesamten Investitionen der Preußenelektra seit der Währungsreform erreichten mit dem Je 1958 fast 540 Mill. DM. Auf das letzte Jahr entfallen mit knapp 46 Mill. DM weniger als 1957 (64,4 Mill. DM – beide Posten ohne Zugänge an Beteiligungen). Für 1959 ist jedoch wieder ein Bauprogramm von 70 bis 80 Mill. DM zu erwarten. Da der Bau großer Kraftwerke sich über mehrere Jahre hinzieht, ergibt die isolierte Betrachtung einzelner Jahre kein genaues Bild der Investitionen. Im gesamten Konzern betrugen die Investitionen 1958 rund 205 Mill. DM. Auch 1959 werde hier keine wesentliche Änderung eintreten.

Zu den interessantesten Vorhaben der Preußenelektra gehören zwei Projektierungsaufträge für ein 150 Megawatt- und ein 100 Megawatt-Kernkraftwerk. Die Preußenelektra hat zusammen mit fünf anderen Kraftwerken (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen AG, Hamburgische Elektrizitätswerke AG, NWK, Bewag und die Eelektrowerke AG Berlin) eine "Studiengesellschaft für Kernkraftwerke GmbH", Hannover, gebildet. Diese Studiengesellschaft hat jetzt zwei Projektierungsaufträge vergeben, deren Gesamtkosten auf etwa 12 Millionen DM geschätzt werden. Man hofft, daß so Ende 1960 baureife Entwicklungen der deutschen Industrie vorliegen und daß dann entschieden werden kann, ob und in welcher Weise diese Vorhaben weiter verwirklicht werden. An den Projektierungskosten will sich auch der Bund beteiligen. Im Gegensatz zum RWE, das bereits im nächsten Jahr eine Versuchsanlage von nur 15 Megawatt in Betrieb nehmen will, plant diese Gruppe gleich wesentlich größere Kernenergieanlagen. Dafür wird hier allerdings 1965 als frühester Fertigstellungstermin genannt.

K. D.