DIE ZEIT

Chruschtschow sagt ab

Als Nikita Chruschtschow mitten während seines Staatsbesuches in Polen abrupt seine für August angesetzte Skandinavienreise absagte, schlug diese Meldung auch in Warschau wie eine Bombe ein.

Verstimmung CDU-DP

Lange schon ist die Deutsche Partei über die CDU, ihren großen Bonner Koalitionspartner, verstimmt. Zu oft hat sie die Rolle des Ja-Sagers spielen müssen, der vorher nicht einmal informiert, geschweige denn um seine Ansicht befragt worden war.

Gromykos Zwickmühle

Was, Sie fahren nach Genf? Ach, da kömmt ja doch nichts heraus!" Wie oft hatte ich vor der Abreise diese Frage gehört. Merkwürdig: alle, die so sprachen, haben offenbar gar nicht recht verstanden, worum es sich in Genf handelt.

Es war der Tag, sich zu berauschen

Das große Fest, bei dem das Frankreich des Jahres 1959 vor den Spiegel trat, um sich am eigenen Anblick zu berauschen, begann mit einem großen Auszug.

Nippons weltläufiger Premier

Vot einem halb Jahr noch sah es ganz so aus, als seien die Tage seines politischen Wirkens gezählt. Kaum einer in Tokio räumte ihm große Chancen ein, das Frühjahr als Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei und damit als Regierungschef zu überleben.

Führte Castro selbst Regie?

Im Januar war Fidel Castro, der siegreiche Rebell, Ministerpräsident von Kuba geworden, jetzt, sechs Monate später, ist es in Havanna zur ersten Regierungskrise gekommen, und Castro hat sie – wie es scheint – glänzend überstanden.

ZEITSPIEGEL

Die Verhandlungen über die künftige Verfassung Zyperns werden durch Meinungsverschiedenheiten zwischen General Grivas und Erzbischof Makarios gestört.

"Unpolitische" Studenten

Die 42. Delegierten-Konferenz des Verbandes Deutscher Studenten hat in Würzburg beschlossen, den nächsten Studententag nicht unter das Thema "Der Student und die Wiedervereinigung" zu stellen, sondern sich statt dessen mit der Frage der kulturpolitischen Verantwortung der Studenten zu beschäftigen.

Ein Wehr für den Redefluß

Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden: Die Begrenzung einer Bundestagsdebatte über einen bestimmten Gegenstand auf eine festgesetzte Zeitspanne und die Verteilung der Gesamtredezeit auf die Fraktionen ist verfassungsrechtlich unbedenklich.

Dokumente gehören ins Archiv

Eine kleine Nachricht, über die sich niemand bisher Gedanken machte: Bestärkt durch das Ufi-Gesetz, demzufolge alle Filmfirmen, die nach 1938 verstaatlicht worden waren, an ihre Eigentümer zurückgegeben werden sollen, beabsichtigt der Bund, der Ufa mit den alten Wochenschauen auch die darin enthaltenen Filmberichte der PK-Leute aus dem vergangenen Krieg zu übergeben.

Englands Angst vor der Amerikanisierung

Die Amerikanisierung Englands – jene jüngste Entwicklung, die manchem schreckhaften Briten eine Gänsehaut verursacht – hat letzte Woche weitere Fortschritte gemacht: Überraschend kaufte der kanadische Finanzlöwe Roy Thomson den Zeitungsring des Lord Kemsley auf.

Stumpfe Spitze?

Die CDU-Reformer haben ausgeklügelt, wie man die Organisation der Parteispitze verbessern könnte. Es ist ein schöner Plan, den sie sich ausgedacht haben: So sollen zum Beispiel zwei mit bestimmten Kompetenzen ausgestattete Stellvertreter des Parteivorsitzenden die bisherigen vier – relativ einflußlosen – Stellvertreter ablösen.

Eher Patrioten als Proletarier

Die internationale Heerschau der Sozialisten im Curio-Haus zu Hamburg fand an weißgedeckten Tischen statt. Gemessen, fast etwas steif ging es zu im Kongreßsaal, in dem die Ober beflissen bin und her eilten.

Wer regiert in Paris?

Nun sind die Institutionen der Fünften Republik endlich alle vollzählig unter Dach. Nach dem Verfassungsrat und dem Schlichtungshof (letzterer für die Communauté allein) ist nun auch noch der Senat der Communauté eröffnet worden.

Niedersachsen: Darf ein Pastor Schützenkönig sein?

Unversehens ist der Seelsorger der 7000 Einwohner zählenden Gemeinde Achim bei Bremen, Pastor Helmut Buck, zur Schlüsselfigur eines Streits geworden, bei dem es einerseits um die Würde des geistlichen Amtes, zum anderen aber um die "Volksverbundenheit" der Kirche geht.

Bitte ausfüllen!

Ich bin faul. So begann die Geschichte damit, daß ich eines Abends zu faul war, in der Hotelhalle meinen Personalausweis hervorzukramen und die Ausweis-Nummer in die vorgesehene Spalte des Meldeformulars einzutragen.

Mit Säure gegen Rubens

Das Säureattentat auf das weltberühmte Rubensgemälde "Der Höllensturz der Verdammten" in der Münchner Pinakothek im Februar dieses Jahres hatte jetzt sein gerichtliches Nachspiel.

Der schwarze Freund

Seit "Onkel Toms Hütte" hat das Verhältnis zwischen Schwarzen und Weißen Stoff für ungezählte Romane gegeben. Einer der brutalsten – "Mandingo" – erschien vor einiger Zeit im Henri-Nannen-Verlag.

König gegen Führer

Ein Buch, das 1938 in Deutschland erschien und heute wiedererscheinen kann, bedarf in jedem Falle besonderer Beachtung. Die publizistische Produktion "jener Jahre" war wohl doch nicht so eingleisig, wie die "schreckliche Vereinfachung" der Abrechnungszeit nach 1945 sie sehen wollte.

Der letzte "Kahlschläger"

Autoren, die zu sehr gelobt werden, geraten oft in eine peinliche Situation. Sie stehen so sichtbar auf einem Podest, daß kritische Pfeile an ihnen gar nicht vorbeifliegen können.

Berliner Moritat

Der Charakter der Berliner ist mit "Große Schnauze und viel Herz" noch nicht umfassend bezeichnet; hinzu kommen eine schnelle Auffassungsgabe, der Riecher fürs Politische und die Fähigkeit, treffend zu kolportieren, nüchtern zu kommentieren – das alles in kunstvoller, populärer Form.

Goethe nicht im PEN?

Bundespräsident Heuss, der vor einigen Tagen den 30. Internationalen PEN-Kongreß in Frankfurt eröffnete, hat beiläufig einen Satz gesprochen, der nachdenklich macht.

ZEITMOSAIK

Fünf Ausländer wurden kürzlich mit der Goethe-Medaille der Stadt Frankfurt ausgezeichnet: der amerikanische Schriftsteller Thornton Wilder, der indische Staatsmann und Gelehrte Sarväpalli Radhakrishnan, der französische Journalist und Schriftsteller Jean Schlumberger (Nachname wird deutsch ausgesprochen), der japanische Dichter Yasunari Kawabata und die englische Historikerin und Schriftstellerin Cecily Veronica Wedgwood.

Maßgebliche Mediziner äußern sich

Eine Diskussion über den so gewichtigen, aber auch sehr vielschichtigen Gegenstand, der hier behandelt wird, setzt eine sachliche Auseinandersetzung mit möglichst vielen konkreten Tatsachen sowie ein abwägendes und reifes Urteil ihres Für und Wider voraus.

Primaner-Philosophie

Von Heraklit zu Husserl – Der Versuch, ein altes Dilemma wiederherzustellen

Das neue Klub-Mitglied

Die Abwertung der Peseta, wie sie nun vom Internationalen Währungsfonds bekanntgegeben worden ist, bringt keinerlei Überraschungen, sondern hält sich genau in dem erwarteten Rahmen.

Was ist Harmonisierung?

Von einer ständigen Konferenz der Finanzminister der EWG-Länder ist im Rom-Vertrag keine Rede. Aber die geschickte Regie Minister Etzels hat sie geschaffen.

Stählerne Partner

Über 500 000 Arbeiter der amerikanischen Stahlindustrie befinden sich seit 15. Juli im Streik. Die beiden Parteien sind sich im Laufe der letzten 15 Tage nicht im geringsten nähergekommen.

Schweizerisches Kartell-Dilemma

Schweizerische Experten haben kürzlich den Entwurf für ein neues Kartellgesetz ausgearbeitet. Es ist anzunehmen, daß die Hauptgedanken des Entwurfs in naher Zukunft in ein Gesetz aufgenommen und rechtskräftig werden.

ZEIT-RAFFER

überraschend hat sich nun Moskau – aus dem Mund der parteiamtlichen Prawda – doch ablehnend zur Kleinen Freihandelszone, insbesondere zu einem eventuellen Beitritt Finnlands, geäußert.

Der Minister und die Stargehälter

Wenn man die französische Filmindustrie nach der Qualität ihrer Spitzenprodukte und den Lorbeeren, die sie auf den Filmfestivals erntet, beurteilt, geht es ihr offensichtlich nicht schlecht.

Geplante Kernkraftwerke

Die bundeseigene Preußische Elektrizitäts-AG (Preußenelektra) Hannover, kann mit dem Geschäftsjahr 1958 noch zufriedener sein als mit 1957.

Versicherer berichten

Die Nord-Deutsche Lebensversicherungs-A.G., Hamburg, hat in dem wiederum befriedigend verlaufenen Geschäftsjahr 1958 ihren Versicherungsbestand um 9,4 v.

Schwieriger Waggonbau

Die Orenstein-Koppel und Lübecker Maschinenbau AG, Berlin-Dortmund, zahlt für 1958 eine auf 12 (9) v. H. heraufgesetzte Dividende auf das Grundkapital von 16 Mill.

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