G. K., München, im Juli

Vor dem Schwurgerichtssaal, in dem die zweite große Strafkammer des Langerichts München I tagt, drängelte sich in den letzten Tagen allmorgendlich noch immer ein Schwarm von Menschen. Es sah so aus, als wolle jeder wahlberechtigte Münchener wenigstens für eine kurze Stunde jene Angeklagten zu Gesicht bekommen, die noch gar nicht allzu lange die bayerische Staatsregierung und den Landtag repräsentierten:

Den Baumgartner "Pepi", ehemals Landwirtschaftsminister, stellvertretender Ministerpräsident und Chef der Bayernpartei; den August Geislhöringer, ehemals Innenminister und stellvertretender BP-Vorsitzender; den Ex-Landtagsabgeordneten Max Klotz von der BP und den ausgestoßenen CSU-Abgeordneten Franz Michel – alle des Meineids angeklagt; und schließlich den Metzgermeister und Spielbank-Manager Karl Freisehner, dessen Meineids-Selbstanzeige den Münchener Mammutsprozeß in Rollen gebracht hat.

Doch ein Politikum ...

Inzwischen steht fest, daß die Gerichtsverhandlung sehr viel länger dauern wird als ursprünglich angenommen. Am Dienstag wurde sie bis 1. August ausgesetzt, weil der derzeitige Landwirtschaftsminister Dr. Alois Hundhammer, der gegenwärtig vernehmungsunfähig im Krankenhaus liegt, als Zeuge gehört werden muß. Auch diesmal wird es bis zum Urteil noch gute Weile haben, denn aus dem kernig-bajuwarischen "Salami-Prozeß" der ersten Verhandlungstage ist ein übles Schlammringen geworden. Nur bruchstückweise kommen dabei die skandalösen Vorgänge um die Konzessionierung der bayerischen Spielbanken zum Vorschein.

Schließlich ist auch genau das eingetreten, was das Gericht vermeiden wollte: aus dem Prozeß ist ein Politikum geworden. Nicht nur die Angeklagten, sondern auch mehrere Zeugen haben eine fatale Verzahnung ihrer geschäftlichen, privaten und politischen Interessen offenbart. Meineid hin, Meineid her – die Münchner ziehen schon jetzt ihr nichtamtliches Resümee: bei der Spielbanken-Konzessionierung haben allerlei Abgeordnete und einstige Regierungsmitglieder ganz "pfundige" Schmiergelder eingesteckt. Und diejenigen, so heißt es an der Isar, die da in der Anklagebox säßen, seien keineswegs die einzigen, die "Dreck am Stecken" hätten...

Nur Wischiwaschi?