hst./Köln

Eine erkennbar satirisch gemeinte Darstellung ist keine Beleidigung." Dieser Meinung ist Landgerichtsdirektor Dr. Lenke von der 5. Zivilkammer des Landgerichts Köln. Er sprach jetzt das Urteil in dem Rechtsstreit der Stadt Köln gegen den Bauherrn Erich Lappe. (Siehe DIE ZEIT Nr. 25, "Wo hört in Köln der Humor auf.")

Der Spruch des Richters dauerte genau drei und eine halbe Minute. Das Urteil lautete: Der Bauherr Lappe wird verurteilt, den Namen des Stadtbau-Ingenieurs Kluge aus dem von der Stadt als beleidigend empfundenen Bronzeschild an der Tür des Neubaus an der Langgasse in Köln zu entfernen. Alle anderen Namen und Bezeichnungen dürfen an der Tür stehen bleiben. Die Kosten des Verfahrens werden zu drei Viertel von der Stadt Köln und zu einem Viertel von dem beklagten Bauherrn Lappe getragen.

Der Bauherr Lappe hatte seinem Unmut über die Schwierigkeiten beim Bau seines Hauses auf höchst ungewöhnliche Weise Ausdruck gegeben. Er hatte allen den Leuten, die daran beteiligt waren, unter dem Sammelbrgriff "Zirkus Langgasse" auf seiner Tür ein Denkmal gesetzt, darunter dem Oberstadtdirektor Dr. Max Adenauer (hohe Schule des Sichverleugnens) und dem Stadtkonservator Dr. Hanna Adenauer (Kraftakt, stärkste Frau der Welt), dem Stadtbau-Ingenieur Kluge (Bodenakrobat, Radschläger). Die Stadt Köln hatte gegen dieses Bronzeschild geklagt. Sie empfand die Aufzählung der Beamtennamen unter der Bezeichnung "Zirkus" als beleidigend.

In seinem Plädoyer zitierte der Verteidiger Dr. Peters II aus dem Simplicius Simplicissimus: "Es hat mir so wollen behagen, mit Lachen die Wahrheit zu sagen." Er verwies auf die "Drolerien der Kunstgeschichte", auf die Karikaturen am Prager Veitsdom, auf das Bonner Brückenmännchen, das die Mißbilligung der Bonner Brückenbauherren am Beueler Stadtrat ausdrückt, der sich nicht an den Brückenbaukosten beteiligen wollte. Solche Darstellungen seien seit dem Mittelalter üblich und nie als Beleidigung, sondern als Ausdruck des Volkshumors angesehen worden. Zur Bekräftigung zitierte er noch Goethe: "Wer sich nicht selbst zum besten haben kann, der ist gewiß nicht einer von den Besten."

Trotz diesem Zitat und dem Urteil der 5. Zivilkammer will der Stadtbau-Ingenieur Kluge seine persönliche Beleidigungsklage nicht zurückziehen. Er wartet auf eine neue Verhandlung. Die Stadt Köln wird dieser Prozeß, den sie zu drei Viertel verloren hat, rund 14 000 Mark kosten ...

Die Bürger aber meinen: Der Schaden, den der sprichwörtliche Kölner Humor erlitten hat, ist gar nicht zu ermessen.