Eine Diskussion über den so gewichtigen, aber auch sehr vielschichtigen Gegenstand, der hier behandelt wird, setzt eine sachliche Auseinandersetzung mit möglichst vielen konkreten Tatsachen sowie ein abwägendes und reifes Urteil ihres Für und Wider voraus. Ich bin der Meinung, daß der unbefangene Leser und auch der Nichtmediziner nicht allzu Schwer erkennen dürften, daß hier die Stimme eines Mannes laut wird, der die Institution unserer Universitätskliniken aus vorwiegend subjektiver, aber mangelnder objektiver Sicht verurteilt.

Dabei bedient sich der Autor eines zu allen Zeiten üblichen Rezeptes, um seinen Angriff zu starten: Man greife einige Begebenheiten aus Vergangenheit und Gegenwart der bekämpften Institution heraus, die in der Einseitigkeit der Darstellung dem Leser die Fragwürdigkeit der gesamten Struktur der Institution demonstrieren sollen. Man vermeide es tunlichst, konkrete Gegenvorschläge zu machen. Man brandmarke schlechtes Benehmen einiger Ordinariatsinhaber in der Hoffnung, daß die aufgeführten Stories vom Leser möglichst als beispielhaft angesehen und verallgemeinert werden.

Kann man auch nur im entferntesten erwarten, daß wir mit diesem Rezept einer Lösung des uns so brennenden Problems einer organischen Anpassung von Lehre und Forschung im Bereich der medizinischen Fakultäten an die Erfordernisse unserer Zeit näherkommen? Werden wir uns nicht immer wieder im Kreise drehen, wenn persönliche Erlebnisse Und Enttäuschungen nicht nur mit den sachlichen Dingen vermengt, sondern als wesentliche, ja entscheidende Argumente gegen die Sache als solche ins Feld geführt werden?

"Amerika, du hast es besser!" steht in diesen Auslassungen zu lesen. Ich kann dieses Zitat von Goethe wohl insofern unterschreiben, als die Sachlichkeit der Diskussion ein hervorstechendes Kennzeichen der amerikanischen Wissenschaft und der Organisation der Wissenschaft dieses Landes ist. In den Ausführungen des unbekannten Autors vermag ich jedoch keine konkreten Ansatzpunkte zu entdecken, die eine fruchtbare Erörterung des Problems eröffnen könnten. Wohl weiß ich aus eigener Erfahrung, die auf vielen Beratungen und Kommissionssitzungen über die Reform des Medizinstudiums und der organisatorischen Gestaltung der Wissenschaft im Bereich der Medizin bei uns zu Lande basiert, wieviel Zeit und welche Mühen die Fachvertreter der medizinischen Fakultäten auf die Lösung da ganzen Fragenkomplexes verwandt haben und weitet Verwenden Wie leicht ist es, Altes und organisch Gewachsenes zu zerstören. Um Brücken zu bauen, die zu neuen Ufern führen, bedarf es konstruktiver Planung, aber auch Geduld.

Zum Abschluß möchte ich aber den Lesern Ihrer Zeitung auch den Spruch Goethes über die Vorzüge Amerikas gegenüber unserm Kontinent in seinem vollen Wortlaut nicht vorenthalten, da seine Worte zur damaligen Zeit auch die heutige Situation in so treffender Weise kennzeichnen: "Amerika, Du hast es besser

Als unser Kontinent, der alte,

Hast keine verfallenen Schlösser