W. A. München

Das Säureattentat auf das weltberühmte Rubensgemälde „Der Höllensturz der Verdammten“ in der Münchner Pinakothek im Februar dieses Jahres hatte jetzt sein gerichtliches Nachspiel. Die Erste Strafkammer des Landgerichts München I verurteilte den 53jährigen Walter P. Menzl aus Konstanz zu drei Jahren Gefängnis und Schadenersatzzahlung von 800 000 DM.

Menzl hat die Höchststrafe erhalten, die das Gesetz für „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ vorsieht. Aber auch nach Ansicht des Gerichts ist diese Strafe zu gering für die mutwillige Zerstörung eines unersetzlichen Kunstwerks. Gegenüber dem Verlust eines der wertvollsten Rubensbilder, das auch nach der langwierigen Restaurierung nur noch ein „amputiertes“ Stück sein wird, bedeuten die drei Jahre keine angemessene Sühne. Und die Schadenersatzzahlung wird den Attentäter wenig schmerzen, da er diese Verpflichtung sowieso nie einlösen kann.

Der Attentäter Menzl hält sich für einen großen Philosophen und glaubt sich zur Rettung der Menschheit ausersehen. Die Vernichtung des Gemäldes sollte die Welt auf Menzl und seine Welterlösungsideen aufmerksam machen. „Zwischen mir und der Menschheit stand ein Quadratmeter bemalter Fläche“, heißt das in der Formulierung des Bilderstürmers. „Geben Sie der Menschheit einmal eine Sternstunde rief er dem Gericht zu, und meinte damit wohl seinen Freispruch und die Chance, die Welt mit seinem „philosophischen“ Nie-wieder-Kriegs-Patent zu beglücken.

Dieser Wirrkopf ist indessen – wie auch die medizinischen Gutachter feststellen – nicht so verrückt, daß der §51 auf ihn anwendbar wäre. Er zeigte vielmehr in der Durchführung seines Verbrechens eine bemerkenswerte Kaltblütigkeit. Denn ehe er zur Tat schritt, vergewisserte er sich, ob das Risiko in einem vernünftigen Verhältnis zum gewollten Effekt stehen werde. Und als er erfuhr, daß es nur um drei Jahre Gefängnis gehe, fand er das lohnend. Mit naiver Frechheit bekannte er : „Bei Zuchthaus hätte ich es nicht getan ...“ Mit diesem zynischen Wort bestätigte er, daß hier im Gesetz eine Lücke klafft.