Eine endlose Debatte gab es in der Hauptversammlung der Mannesmann AG, Düsseldorf. Leider gingen manche Diskussionsbeiträge der Aktionäre nicht nur an der Tagesordnung, sondern überhaupt an der Zuständigkeit dieser Versammlung vorbei und brachten außer einer durchaus zu vermeidenden Verzögerung den 1500 anwesenden Aktionären keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Bei der Diskussion um die Verteilung von wieder 10 (10) v. H. Dividende – die gegen nur geringe Nein-Stimmen akzeptiert wurde – war ein leicht skeptischer Unterton bei verschiedenen Sprechern nicht zu überhören. Dabei ging es um die Frage, ob Mannesmann entweder im Vorjahr zuviel ausgeschüttet habe oder aber jetzt im Begriffe sei, "zuviel des Guten zu tun". Die nachhaltigen Eindrücke der Montankrise im Jahre 1958 machten es vielen Aktionären offensichtlich schwer, einzusehen, daß Mannesmann tatsächlich in der Lage ist, 58 Mill. DM – im Vorjahre waren es nur 48, weil die Aktien aus der letzten Kapitalerhöhung nur für die Hälfte des Geschäftsjahres dividendenberechtigt waren – an seine etwa 90 000 Aktionäre auszuschütten. Dazu erklärte allerdings die Verwaltung, daß der vorgenommene Gewinnausweis weder ein "rechnerischer Kunstgriff" noch "ein Zufallsergebnis" sei. Das Unternehmen habe diesen Erfolg einer "richtigen und rechtzeitigen Vorausschau der Veränderungen in der Wirtschaftslage zu verdanken." Rechtzeitig sei für alle Unternehmen des Konzerns ein Einstellungsstopp verfügt worden, und bei der Genehmigung neuer Investitionen habe man sich auf das Ausmaß der verdienten Abschreibungen beschränkt. Die Vorratswirtschaft sei scharf rationiert worden und die Produktion dem nachlassenden Auftragseingang angepaßt. Damit habe Mannesmann gut vorbereitet in das schwierige Geschäftsjahr 1958 eintreten können.

Was die Teilnehmer der HV – vertreten waren 71 v. H. des Kapitals – über das laufende Geschäftsjahr hören konnten, war erfreulich. Auf Grund der jüngsten Entwicklungen sind die Aussichten für das Jahr 1959 gut, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Dr. Hermann Winkhaus. Im Auftragseingang hat Mannesmann wieder den Monatsdurchschnitt 1957, also eines ungetrübt guten Jahres, erreicht. Gegenüber dem Vorjahr haben die Aufträge für Walzstahl um 17 v. H. und für Röhren und Rohrerzeugnisse sogar um 31 v. H. zugenommen. Die Produktionseinschränkungen sind im Mannesmann-Bereich vollends wieder aufgehoben worden; der fünfte – bisher noch stillgelegte – Hochofen wird im August wieder in Betrieb genommen werden. Entsprechend dieser Entwicklung ist die Umsatzkurve im ganzen Mannesmann-Bereich ansteigend. Besonders die weiterverarbeitenden Tochtergesellschaften sind mit z. T. erheblichen Umsatzsteigerungen gut im Geschäft. Daß allerdings bei diesem günstigen Gesamtbild die Kohle wieder abseits steht, ist kaum überraschend. Im Verlaufe der Diskussion, in der die Verwaltung von einem Kleinaktionär attackiert worden war, "weil sie sich den Kohlenklotz überhaupt ans Bein gebunden habe" – (gemeint war die Essener Steinkohle) hatte Vorstandsvorsitzer Winkhaus Gelegenheit, erneut die Bedeutung der Zechen für den Konzern-Verbund herauszustellen. Erst durch den Erwerb der Essener Steinkohlenbergwerke verfügt Mannesmann über einen Kohlenvorrat von solchem Umfang und solcher Qualität, daß das Unternehmen in der Lage ist, "durch mehr oder weniger starke Vernachlässigung dünnerer Flöze oder schlechterer Betriebsabteilungen – früher nannte man das Raubbau – dem Marktpreis mit den Selbstkosten weitgehend zu folgen."

In den Aufsichtsrat der im Zuge der Umwandlung von 15 auf 21 Mitglieder zu erweitern war – wurden als Anteilseigner Ferry von Berghes, Dr. Hans Constantin Boden, Rudolf Hahn, Oswald Rösler, Dr. Eduard von Schwartzkoppen, Dr. Hermann von Siemens, Franz Heinrich Ulrich, Dr. Wilhelm Zangen, Dr. Hans Reuter und Franz Westhoff gewählt; Arbeitnehmervertreter: Walter Arendt, Franz Berensdorf, Prof. Helmuth Duvernell, Dr. Rolf Hanschmann, Rudolf Nungesser, Heinz Pohl, Bernhard Potthast, Heinrich Striter, Prof. Dr. Karl Hax und Prof. Carlo Schmid. Als 21. Mann fand der Präsident des Oberverwaltungsgerichts Berlin, Dr. Friedrich Haas die einstimmige Billigung der Versammlung. nnn