R. S., Bonn, im Juli

Die CDU-Reformer haben ausgeklügelt, wie man die Organisation der Parteispitze verbessern könnte. Es ist ein schöner Plan, den sie sich ausgedacht haben: So sollen zum Beispiel zwei mit bestimmten Kompetenzen ausgestattete Stellvertreter des Parteivorsitzenden die bisherigen vier – relativ einflußlosen – Stellvertreter ablösen. Ferner soll ein Zehnergremium, sozusagen ein Parteikabinett, eingesetzt werden und regelmäßig (etwa alle vierzehn Tage) unter Vorsitz Dr. Adenauers im Palais Schaumburg zusammentreten. Ziel der Reform ist es, den "einsamen Entschlüssen" des Bundeskanzlers entgegenzuwirken und die Führung der Partei auf eine breitere Spitze zu verlagern.

Aber kaum ausgetüftelt, ist der schöne Plan schon mancher Kritik ausgesetzt. Man könne nicht, so sagen die Kritiker, den Vertreter des Gewerkschaftsflügels, Theodor Blank, aus der Position des stellvertretenden Vorsitzenden verdrängen, und auch Dr. Gerstenmaier sei sicher nicht bereit, auf diese Stellung zu verzichten. Die Reformer machen sich nun mit dem Gedanken vertraut, daß es doch bei vier Stellvertretern bleiben könnte. Die angestrebten neuen Vollmachten der Stellvertreter indes sollen nur zweien übertragen werden, wahrscheinlich Dr. Krone und von Hassel.

In Bonn beurteilt man den ganzen Versuch, durch organisatorische Maßnahmen eine Machtfrage lösen zu wollen, doch recht skeptisch. Ob Dr. Adenauer schon in nächster Zeit einen Teil seiner Macht auf jüngere Schultern laden wird, dürfte – so glauben die Bonner Skeptiker – mehr von seinem Willen und seiner Gesundheit als von den Ambitionen der CDU-Reformer abhängen.