überraschend hat sich nun Moskau – aus dem Mund der parteiamtlichen Prawda – doch ablehnend zur Kleinen Freihandelszone, insbesondere zu einem eventuellen Beitritt Finnlands, geäußert. Die Argumente: Handelszusammenschlüsse einzelner Länder seien ein Hindernis für den Welthandel, innerhalb solcher Gruppen würden die kleinen Länder von den großen beherrscht, die ihrerseits wieder durch Amerika kontrolliert würden. Finnland speziell würde durch einen wirtschaftlichen Anschluß an eine Gruppierung von NATO-Mitgliedern seine Neutralität gefährden. – Es hat demnach den Anschein, daß die UdSSR die Gefahr einer Vereinigung zwischen der EWG und der Kleinen Freihandelszone höher bewertet als die Möglichkeit einer Spaltung des westlichen Lagers.

Um den mit der Währungsumstellung an der Saar verbundenen Preiswirrwarr ist es still geworden. Amtliche Vergleiche mit der Pfalz haben ergeben, daß sich die saarländischen Preise auf das bundesdeutsche Niveau "eingependelt" haben. Eine ganze Reihe von Lebensmitteln sind zur Zeit in Saarbrücken sogar billiger zu kaufen als zum Beispiel im benachbarten Ludwigshafen. – Ohne Preisstop, ohne staatliche Eingriffe und Kontrollen hat also der freie Wettbewerb die Verzerrungen und Auswüchse der ersten Tage beseitigt. Das Aufeinandertreffen des bundesdeutschen Angebots mit großen zollfreien Warenkontingenten aus Frankreich wird wahrscheinlich sogar dafür sorgen, daß die Saarländer schon in Kürze für die ihnen in den ersten Tagen der wirtschaftlichen Angliederung abverlangten "Überpreise" durch ausgesprochene "Niedrigpreise" entschädigt werden.

Durch die verspätet erfolgten Ausschreibungen von Einfuhrkontingenten seitens von Frankreich und Italien ist der Autoexport der Bundesrepublik in den ersten Monaten dieses Jahres stark behindert worden. Die Verzögerung ist in Westdeutschland heftig kritisiert und als eine Nichtbeachtung der EWG-Bestimmungen bezeichnet worden. – Eigene Absatzsorgen hatten die beiden Länder veranlaßt, die Erteilung von Einfuhrgenehmigungen hinauszuzögern. Das Stoßgeschäft mit Frankreich und Italien nach endlich durchgeführten Ausschreibungen hat dazu geführt, daß die Kraftwagenausfuhr der Bundesrepublik im Mai/Juni 52 v. H. der Produktion erreichte.

Der harte Preiswettbewerb und die steigende Sparbereitschaft der Arbeiter und Angestellten der Bundesrepublik haben die Nettoeinkommen der Selbständigen weiter hinuntergedrückt. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wären im ersten Vierteljahr 1959 die Nettolöhne und -gehälter mit 20,0 Mrd. DM um 0,9 Mrd. DM (4,7 v. H.), die Sozialeinkommen (Pensionen, Renten und Unterstützungen) mit 8,3 um 0,3 Mrd. DM (3,8 v. H.) und das Nettoeinkommen der öffentlichen Hand mit 10,8 sogar um 1,3 Mrd. DM (13,7 v. H.) höher als im 1. Vierteljahr 1958. Dagegen ist gegenüber der gleichen Vorjahrszeit das Einkommen der Selbständigen um 0,5 (5,3 v. H.) auf 8,9 Mrd. DM gesunken und hatte mit 18,3 v. H. den bisher niedrigsten Anteil am Nettosozialprodukt zu Marktpreisen,

Wer die Steuern in Frankreich zahlt, hat jetzt eine Kommission festgestellt, Die Bauern melden, wie die Erhebung zeigt, nur 20 v. H. ihres Einkommens zur Versteuerung an. Die französische Landwirtschaft hätte, wenn es nach ihrer Steuererklärung ginge, 1958 nicht einmal eine Viertelmilliarde DM verdient. Industrie und Handel versteuern wenigstens drei Viertel ihres wirklichen Einkommens, und die Einkommen der Arbeitnehmer werden zu 95 v. H. erfaßt.