Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren einen Teil ihrer Politik unter das Motto „Eigentum für alle“ gestellt. Sie hat das Wertpapiersparen gefördert – und wir erleben jetzt, daß die deutschen Aktienmärkte dem Ansturm der Sparer nicht gewachsen sind. Aktien sind Mangelware geworden. Das gleiche spielt sich auf dem Grundstücksmarkt ab. Der staatlich geförderte Gedanke des Eigenheims hat in breiten Bevölkerungskreisen so großen Anklang gefunden, daß es heute schon schwerfällt, Baugrundstücke für Eigenheime zu beschaffen. Viele Bauwillige, die jahrelang ihren Bausparvertrag treu erfüllten und jetzt ihre Vertragssumme zugeteilt erhielten, stehen vor dem schwierigen Problem der Grundstücksbeschaffung. Und manche haben inzwischen kapituliert, das heißt, sie haben ihren Bausparvertrag verkauft. Sie erleiden dadurch zwar keinen finanziellen Verlust, im Gegenteil, sie sind ja jahrelang in den Genuß einer zu Buch schlagenden Steuervergünstigung gekommen. Dennoch sehen sie sich enttäuscht, weil sie mit dem Bau ihres „Traumhauses“ nicht zum Zuge gekommen sind.

Wenn wir heute auf das Thema Baulandbeschaffung zu sprechen kommen, meine verehrten Leser, dann erwarten Sie bitte nicht von mir, daß ich Ihnen hier eine Patentlösung verrate. Das kann Ihnen heute keine Stelle in der Bundesrepublik. Aber vielleicht ist es gut, wenn sich Bausparer oder solche, die es noch werden wollen, von vornherein etwas mit der Lage auf dem Grundstücksmarkt vertraut und sich in dieser Beziehung möglichst wenig Illusionen machen. Wohlverstanden, ich halte das Bausparen nach wie vor in vielerlei Hinsicht für nützlich, aber Sie wissen, meine verehrten Leser, aus unseren früheren Gesprächen über dieses Thema, daß ich nun einmal geneigt bin, alle mit dem Bauen zusammenhängenden Dinge sehr nüchtern zu sehen. Es ist geradezu gefährlich, den Bau eines Eigenheims durch die rosarote Brille jener sehen zu wollen, deren Existenz daran hängt, möglichst viele Bausparverträge abschließen zu müssen.

Der Hauptfehler, den viele Baulandsuchende heute machen, ist der, daß sie ihr Grundstück, auf dem sie einmal bauen wollen, in jenen Gegenden suchen, in denen kaum noch Grundstücke zu haben sind. Das ist durchaus verständlich, denn es handelt sich stets um die schönsten Wohngegenden einer Stadt oder einer Landgemeinde. Hier sind die Grundstückspreise natürlich gepfeffert, denn auch der Grundstücksmarkt richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Aber dem echten Bausparer fällt es nun einmal schwer 50 bis 100 DM für einen Quadratmeter Boden ausgeben zu müssen. Abgesehen davon, daß in einer solchen Gegend sein Haus auch entsprechend teuer wird, weil es ja vom Gebäude des begüterten Nachbarn nicht allzusehr abstechen soll. Also, meine verehrten Leser, richten Sie Ihre Wünsche in dieser Beziehung nach den Marktverhältnissen.

Wer in Großstadtnähe ein Grundstück erwerben will, tut gut, sich in der weiteren Umgebung danach umzusehen. Wer heute einen Garten sein eigen nennen will, muß Opfer bringen. Sie bestehen vornehmlich in einem längeren Anmarschweg zum Arbeitsplatz Aber mit der zunehmenden Motorisierung schrumpfen Entfernungen ohnehin zusammen. Doch selbst in der Umgebung der Städte sind Quadratmeterpreise von 10 bis 20 DM (je nach Lage) keine Seltenheit mehr. Zwar unterliegen die Preise bisher unbebauter Grundstücke der Genehmigung der Preisbehörde, doch glauben Sie mir, bezahlen müssen Sie immer den Marktpreis. Er setzt sich dann zusammen aus dem offiziellen Preis, so wie er im Vertrag steht, und der Summe, die der Verkäufer außerhalb des Vertrages verlangt. Wer mit solcher Regelung nicht einverstanden ist, wird lange nach einem verkaufsbereiten Grundstückseigentümer suchen können.

Nun ist der Grundstückskauf auch in der weiteren Umgebung der Städte nicht frei von Sorgen. Oftmals kommen dann die Erschließungskosten hinzu, die beim Bau fällig werden, abgesehen von der Frage, ob überhaupt eine Baugenehmigung erteilt wird. Auch danach muß man sich rechtzeitig erkundigen.

Sie werden nun fragen: Läßt sich denn nichts gegen--die „Grundstücksspekulation“ tun? In einer freien Marktwirtschaft, die zudem das Privateigentum schützen will, sind dem staatlichen Eingriff enge Grenzen gesetzt. Und was heißt überdies Grundstücksspekulation? Darf man es dem Grundbesitzer verübeln, wenn er – genau wie der Aktienbesitzer – versucht, den höchstmöglichen Preis zu erzielen? Natürlich gibt es eine Reihe Einwände moralischer Art gegen diesen Standpunkt.

Zwei Dinge sind in dieser Situation wichtig: 1. Das Baulandangebot muß vergrößert werden. 2. Die Wünsche der Bauwilligen müssen sich nach dem Markt richten, das heißt, sie dürfen keine Träume sein. Die Bundesrepublik ist ein so kleines Land, daß nur wenige Einwohner so wohnen können, wie es ihrem Ideal entspricht.