H. W., Oldenburg

Die Liebe fragt bekanntlich nicht nach der Religionszugehörigkeit. Bei der Heirat ist es schon anders, denn hier haben auch die Eltern ein Wort mitzureden, vor allen Dingen dann, wenn die Heiratslustigen noch nicht volljährig sind.

Das letzte Wort hatten in Oldenburg aber nicht die Eltern, sondern das Amtsgericht, das kürzlich die Einwilligung in die Ehe eines neunzehnjährigen katholischen Mädchens mit einem jungen Mann evangelischen Glaubens gab. Das Gericht handelte dabei als Stellvertreter des Vaters, der als gläubiger Katholik diese Ehe abgelehnt hatte. Es nahm dem Vater die Entscheidung damit aus der Hand und setzte für sein „Nein“ das „Ja“ des Gerichts. Die grundsätzliche Ablehnung von Mischehen aus religiöser Oberzeugung sei kein Ehehinderungsgrund.

Und nun entwickelte das Gericht einen Gedankengang, der in dieser Konsequenz bisher wohl selten verkündet worden ist. Nach dem Gesetz über die religiöse Kindererziehung, führten die Richter von Oldenburg aus, kann ein Kind am Ende seines 14. Lebensjahres entscheiden, welchem religiösen Bekenntnis es den Vorrang gibt. Es hat also „Entscheidungsfreiheit in Sachen Religion“. Ob das Kind in diesem Alter schon fähig ist, davon einen richtigen Gebrauch zu machen, ob es die Folgen eines eventuellen schwerwiegenden Schrittes schon erkennen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Wenn aber schon das 14jährige Kind in dieser Frage die Entscheidungsfreiheit erhält, so folgerte das Gericht, dann muß erst recht ein neunzehnjähriges Mädchen darüber urteilen können, ob es die Vorschriften seiner Kirche einhalten will. Dieser Grundsatz gilt auch für die sogenannte Mischehe. Wenn das Mädchen sie eingehen will, dann darf und kann sie niemand daran hindern.

Die Richter räumten ein, daß Ehen zwischen „Gleichgläubigen“ Vorteile gegenüber Verbindungen „Verschiedengläubiger“ haben. Bei Meinungsverschiedenheiten, die es in jeder Ehe und auch in der besten gebe, könne die mangelnde Übereinstimmung im religiösen Bekenntnis sich erschwerend auswirken. Diese Möglichkeit berechtige aber nicht dazu, die Einwilligung in die Eheschließung überhaupt zu verweigern. Dafür seien bedeutsame Gründe notwendig. Die Verschiedenheit des Glaubens rechneten die Oldenburger Richter nicht unter diese Gründe.