Sind die technischen Kontakte wirklich so reibungslos?

Berlin, im Juli

Zwei Familien, die in einem Hause wohnen und sich über die Treppenreinigung verständigen, brauchen noch nicht miteinander befreundet zu sein. Diesen handfesten Vergleich benutzte beim letzten Kölner Katholikentag der Meißener Bischof Spülbeck, um das Verhältnis von Staat und Kirche in der DDR zu verdeutlichen.

Das Gleichnis reicht weiter. Es gilt auch für alle Gutgläubigen, die meinen, der Umweg über sogenannte technische Kontakte führe stracks auf das Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands zu. Vielleicht wäre ein solcher Weg in irgendeiner Phase der Nachkriegsjahre gangbar gewesen, im Augenblick ist er es nicht mehr. Dennoch wird von ihm gesprochen, ja, er ist das Kernstück eines Planes, der Ende Juni in Westberlin ausgearbeitet und von Bürgermeister Brandt bekanntgegeben wurde. Dieser Plan empfiehlt die Schaffung eines Organs mit dem holprigen Titel „Interadministrative Kommission

„Entberlinisierung“ so?

Nach dem Wunsch ihrer Schöpfer sollte sich diese Kommission mit „der Gesamtheit der zwischen den beiden deutschen Gebietsteilen entstehenden praktischen Fragen“ beschäftigen. „Sie könnte dabei“, so heißt es, „Fragen des Handels, der Kommunikationen, des Zahlungsverkehrs, des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches im Interesse der Menschen in beiden Teilen Deutschlands bearbeiten und sich in einer Unterkommission der besonderen, Berlin im engeren Sinne betreffenden Fragen annehmen.“ Ausgenommen aus der Zuständigkeit dieser Kommission wären alle Angelegenheiten, die in die „Verantwortung der vier Mächte“ gehören.

Dieses Projekt, das zum Zeitpunkt seiner Entstehung auch eine Hilfe zur „Entberlinisierung“ der Außenministergespräche geben sollte, wurde den Genfer Delegationen der drei Westmächte und der Bundesrepublik bereits in der Konferenzpause auf dem sogenannten Dienstweg nahegebracht, aber es ist von den Außenministern bisher nicht in Betracht gezogen worden.