Mehr noch als im Vorjahr ist die von der Montanholding der Otto-Wolff-Gruppe, der Eisen- und Hüttenwerke AG, Köln, wiederum beibehaltene Politik der gespaltenen Dividende auf die Interessen der freien Aktionäre ausgerichtet. Der Großaktionär, die Firma Otto Wolff, Köln, verzichtet auch für 1958 auf eine Gewinnausschüttung, während der Satz für die freien Aktionäre – ihr Anteil an dem 39,6 Mill. DM betragenden Grundkapital beläuft sich auf nominell 9,9 Mill. DM – von 4 auf 6 v.H. erhöht worden ist. Dabei hätte das Ergebnis ausgereicht, um das ganze Kapital zu verzinsen. Der Betrag, den sonst der Großaktionär bekommen hätte, ist mit 1,63 (1,39) Mill. DM der freien Rücklage zugeführt worden. Die Politik des Großaktionärs zielt darauf hin, so erklärte die Verwaltung, eine Reduzierung der Schulden zu erreichen, ohne daß davon die freie Minderheit berührt wird.

Wichtiger noch als die Dividende, die mit den Beteiligungserträgen der Holding in Höhe von 2,57 (1,42) Mill. DM wiederum an der Saar verdient worden ist, dürften indessen für die Aktionäre des Unternehmens die zu erwartenden Auswirkungen der Neubewertung der Saarbeteiligungen sein. Nach der nunmehr vollzogenen wirtschaftlichen Eingliederung des Saarlandes wird voraussichtlich in der Bilanz per 31. 12. 1959 die Neubewertung möglich sein. In der Bilanz für 1958 steht die 50 v. H.-Beteiligung an der Neunkircher Eisenwerk AG, vormals Gebr. Stumm, Neunkirchen-Saar, deren Grundkapital auf nominell 10 Mrd. ffrs. lautet, unverändert mit 2,5 Mill. DM zu Buch. Welche Möglichkeiten sich aus der vorzunehmenden Aufwertung für eine Aufstockung des Kapitals der Kölner Holding ergeben würden, ist zur Stunde noch nicht abzusehen, erklärte für den Großaktionär Otto Wolff von Amerongen vor der Presse. Immerhin aber dürfte – eine gesetzliche Regelung vorausgesetzt – die Eisen- und Hüttenwerke AG mit zu den Gratisaktienanwärtern gezählt werden.

Begreiflicherweise spielt in den hierzu angestellten Überlegungen der Holding-Verwaltung der mit einem höheren Aktienkapital notwendigerweise verbundene höhere Dividendenbetrag eine entscheidende Rolle. Die Frage der Kapitalberichtigung hängt weitgehend davon ab, welche Ertragsaussichten bei den Beteiligungen bestehen, hieß es in Köln.

Für Neunkirchen ist die künftige Entwicklung noch nicht übersehbar. Das Ausscheren aus dem französischen Währungsraum wird sich sowohl in den Erlösen als auch in den Kosten bemerkbar machen. Die Ertragslage wird sich jedenfalls nicht verbessern, lautet die Prognose bei der Holding. Allerdings hofft das Unternehmen auf Grund seiner intensiven Marktpflege in den letzten 12 Jahren, seinen Absatzanteil auf dem französischen Markt halten zu können. Im Berichtsjahre gingen 68,52 (66,05) v. II. des Mengenumsatzes nach Frankreich, Saar und in die französischen Kolonien. In dem auf 43,77 (42,17) Mrd. ffrs. angestiegenen Gesamtumsatz des Neunkircher Werkes wirkt sich die Zugehörigkeit zum französischen Markt, der dem Unternehmen in 1958 noch ein anhaltend lebhaftes Geschäft gebracht hat, noch günstig aus, so daß die Verwaltung das Berichtsjahr zu den „wirtschaftlich guten Jahren rechnet“.

Auch die Stahl- und Walzwerke. Rasselstein/Andernach AG, Neuwied, an deren auf 56 (27) Mill. DM erhöhtes Kapital die August-Thyssen-Hütte AG mit 14 Mill. DM beteiligt ist, steht ertragsmäßig noch unter unsicheren Vorzeichen. Hier wird allerdings die Dividendenlosigkeit, die sich vorerst nicht ändern wird, nicht zum Prinzip erhoben, sondern mit den hohen Investitionen begründet, die dieses Unternehmen im Begriffe ist durchzuführen, um mit qualitätsmäßigen Verbesserungen und Kosteneinsparungen in der Weißblech- und Feinstblech-Produktion seinen Marktanteil auch für die Zukunft zu sichern. Die kapitalmäßige Verbindung mit der August-Thyssen-Hütte, die mit Wirkung vom 1. Januar 1959 erfolgte, ist ebenfalls unter diesen Gesichtspunkten zu sehen. Die Verflechtung mit der ATH sichert Rasselstein nicht nur die Warmbreitband-Versorgung für die Weißblechproduktion. Außerdem wird die Errichtung der geplanten Neuanlagen auf der Weißblechseite durch das Zusammengehen mit der ATH erleichtert. Die ATH ihrerseits verzichtet mit dieser Verbindung zu dem größten westdeutschen Flachstahlproduzenten auf eine eigene Weißblecherzeugung. Es ist möglich, daß das Duisburger Hüttenwerk seinen Einfluß auf 50 v. H. erhöht, was teils durch eine weitere Kapitalerhöhung und teils durch Hergabe von Aktien der Eisenhüttenwerke erfolgen würde. Nach den Erklärungen des Vorstandes ist dieser Schritt aber noch nicht konkret geplant. n m n.