Wenn die deutsche Elektronik und mit ihr die Telefunken GmbH, Berlin, innerhalb des knappen halben Jahrzehnts, das ihr nach Aufhebung des alliierten Betätigungsverbotes zur Verfügung stand, aus der Rolle der großmütig geduldeten Lizenznehmer ausländischer Konzerne in die eines gleichberechtigten und zum Teil wieder führenden Wettbewerbspartners hineingewachsen ist, so spricht dies zwar auch für die offensichtlich besondere Begabung deutscher Ingenieure für dieses Fachgebiet, nicht weniger aber für den unternehmerischen Geist der kaufmännischen Leitung. Der Telefunken-Geschäftsbericht für 1958/1959 (31,3) weist auf die hohen materiellen Anforderungen von Forschung und Entwicklung hin, deren realisierbare Tendenzen frühzeitig erkannt und deren marktfähige Erzeugnisse heute schon auf sehr lange Sicht eingeplant werden müssen. „Denn durch die Automatisierung in der Fertigung ist die Zeit zwischen der Idee und ihrer Marktreife wesentlich länger als früher“, kommentiert der Bericht.

Bei Telefunken hatte man im abgelaufenen Jahr wieder einen „sechsten Sinn“ nicht nur für die Technik, sondern auch für das Geschäft. Der Umsatz – ohne Tochter- und Beteiligungsgesellschaften – stieg von rund 369 auf 456 Millionen DM oder um 23 v. H. Die Zuwachsrate war damit reichlich doppelt so hoch wie im Durchschnitt der ganzen deutschen Elektroindustrie mit 11 v. H., die ihrerseits noch erheblich über dem Mittel der gesamten Industrie lag. 1957/1958 war ein Mehrumsatz von 22 v. H., ein Jahr zuvor von 14 v. H. erzielt worden. Einschließlich der Gesellschaften, die sich im Alleinbesitz von Telefunken befinden – vor allem die im Vorjahr von der AEG auf Telefunken übergegangene NSF Nürnberger Schraubenfabrik und Elektrowerk GmbH, Nürnberg –, überstieg der Gesamtumsatz erstmalig in der Geschichte des Hauses die Grenze von einer halben Milliarde. Davon entfielen 110 Millionen DM oder unverändert 24 v. H. auf den Export. Die entscheidenden Impulse für diese anhaltend starke Geschäftsausweitung kamen, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Hans Heyne erläuterte, von der Elektronik, die bei Röhren und Geräten, in der Hochfrequenztechnik und im Nachrichten-Weitverkehr immer stärker vordringt. Obwohl Forschung und Entwicklung einen ständig steigenden Personalbedarf haben und auch die Arbeitszeitverkürzung zusätzliches Personal erforderte, stieg die Belegschaft im Jahresdurchschnitt um „nur“ 18 v. H. auf über 26 000 Menschen. Sie verteilen sich auf 17 Werke in Westberlin und dem Bundesgebiet und auf die Hauptverwaltung, die zur kommenden Jahreswende das jetzt im Rohbau fertige höchste Verwaltungsgebäude Berlins beziehen wird.

Die alleinige Gesellschafterin von Telefunken, die AEG, trug der gesunden Entwicklung ihrer kräftigen Tochter Ende 1958 durch eine weitere Erhöhung des AK von 80 auf 100 Mill. DM Rechnung. Die Telefunken-Dividende für 1958/1959 beträgt 12 nach 10 v. H. Zusammen mit den auf 25 (20) Mill. DM erhöhten Rücklagen verfügt die Gesellschaft jetzt über ein Eigenkapital von 125 Mill. DM, das innerhalb des Bilanzvolumens von 339,4 (267,6) Mill. DM das Anlagevermögen von 107,6 (89,9) Mill. DM reichlich überdeckt. G. G.